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John Rustin (1819-1900), englischer Kunstkritiker, Sozialökonom und Sozialreformer:
»Es ist unklug, zu viel zu bezahlen, aber es ist gefährlich, zu wenig zu bezahlen. Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten. Wenn man zu viel bezahlt, verliert man etwas Geld, das ist alles. Wenn man dagegen zu wenig bezahlt, verliert man manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann.
Nimmt man das niedrigste Angebot an, muss man für das Risiko, das man eingeht, etwas hinzurechnen. Und wenn man dies tut, so hat man auch genug Geld, um für etwas Besseres mehr zu bezahlen.«

 

 

 

Ein Fachmann ist ein Mensch, der viele Fehler begeht, aber trotzdem niemals an sich zweifelt.
Gerald Rudolph Ford, 38. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika

Der Weg zum Erfolg

Wir alle wissen: "Denkmalpflege ist überflüssig!". Länder und Kommunen haben dies begriffen und stellen logischerweise keine finanziellen Mittel mehr bereit. Dennoch wollen es einige Unbelehrbare nicht wahrhaben und glauben, mit Denkmalpflege ihren Unterhalt bestreiten zu können.
Und die Praxis beweist, immer noch kann das Geschäft mit der Denkmalpflege sehr lukrativ sein. Wenn Sie es richtig anstellen, ist Ihnen der Auftraggeber auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Die Frage ist nur: „Wie machen Sie alles richtig?“
Was sie brauchen ist ein gesundes Selbstvertrauen und ein gutes Marketingkonzept.

Nachfolgende Tipps sollen Ihnen helfen, den richtigen Einstieg zu finden oder Ihre Arbeitsweise zu perfektionieren.

Die Grundeinstellung
Als Erstes sollten Sie sich fragen, ob Sie überhaupt für das Geschäft Denkmalpflege geeignet sind.

Hier also die Checkliste:
Sind Sie skrupellos?Ja= 20 Punkte nein= 0 Punkte
Legen Sie Wert auf eine gute Arbeit? Ja= 1 Punkt nein= 1 Punkt
Wissen Sie was sich hinter dem Begriff Denkmalpflege verbirgt? Ja= 0 Punkte nein= 5 Punkte
Stehen Sie gern im Vordergrund? Ja= 20 Punkte nein= 0 Punkte
Sind Sie immer erreichbar? ja= 0 Punkte nein= 10 Punkte
Besitzen Sie eine alte abgelederte Umhängetasche?: ja= 50 Punkte nein= 0 Punkte

Auswertung:

0-49 Punkte
Schade, Ihre Grundeinstellung reicht nicht aus, um in diesem harten Geschäft bestehen zu können. Auch mit der größten Anstrengung werden Sie es nicht schaffen Ihre Brötchen mit Denkmalpflege zu verdienen. Wechseln Sie die Branche oder verlassen Sie das Land!

50-100 Punkte
Ihre Grundvoraussetzungen sind recht gut. Wenn Sie nachfolgende Regeln einhalten, steht Ihrer denkmalpflegerischen Karriere nichts mehr im Weg.

Mehr als 100 Punkte
Sie besitzen optimale Vorraussetzungen und sollte nun aufhören sich mit diesem Unsinn hier zu befassen! Worauf warten Sie noch?

Kommen wir also nun zu den Grundregeln der erfolgreichen Arbeit für „Planer“ und Architekten:

1. Die Akquisition
Lassen Sie einen guten Freund (am besten aus der Baubranche ) herausfinden wo Schäden an Objekten existieren, die seiner Meinung nach behoben werden sollten. Schießen Sie jede Menge Fotos von den Schäden (bei kleinen Schäden lohnen sich Makroaufnahmen) und verschaffen Sie sich Zutritt zum Eigentümer. Appellieren Sie an sein Gewissen und beglückwünschen Sie ihn, dass gerade Sie die Probleme erkannten bevor es ein Nepper tun konnte.
Bei jeder Gelegenheit müssen Sie unbedingt betonen, dass Sie anders und etwas ganz Besonderes sind. Es merkt womöglich keiner, wenn sie dies vernachlässigen.
Weisen Sie Ihren potentiellen Auftraggeber unverzüglich darauf hin, mit wem er es zu tun hat. Sparen Sie nicht mit der Aufzählung Ihrer bisherigen Erfolge bevor sie zum aktuellen Thema kommen, so hat Ihr Gegenüber genügend Zeit mal wieder über den Sinn des Lebens zu meditieren, ohne durch notwendige Aufmerksamkeit gestört zu werden.
Laden Sie Ihren AG regelmäßig zum Essen ein und erkundigen Sie sich in kurzen Abständen auch immer über sein Wohlbefinden. Gegebenfalls helfen Sie mit Geschenken nach. Lässt der Erfolg zu lange auf sich warten, verkürzen Sie die Intervalle der Einladungen. Auch dem Hartnäckigsten wird es irgendwann zu viel und er gibt nach.

Ist der Auftrag dann endlich erteilt, gehen Sie unverzüglich zu Punkt 2 über.

2. Die Planung
Klären Sie den Bauherrn niemals über die tatsächlich entstehenden Kosten auf! Jeder Bauherr liebt Überraschungen. Treiben Sie ihren Auftraggeber zur Ekstase!
Wenn Teile Ihrer Planung noch nicht fertiggestellt sind, lassen Sie sich das nicht anmerken. Es ist viel spannender, wenn Sie öfter mit Überraschungen aufwarten können. Gönnen Sie den Leuten Ihren Spaß.
Niemals dürfen Sie ein Projekt fristgerecht fertig stellen. Sie erwecken dadurch den Eindruck, dass Ihnen die Arbeit leicht von der Hand geht, und das dürfen Sie auf keinen Fall zugeben.

Beantworten Sie jeden negativen Kommentar zu Ihrer Arbeit mit Verständnislosigkeit. Machen Sie die Unkunde Ihrer Kritiker verantwortlich, stellen Sie deren Kompetenz in Baufragen und wenn das nicht hilft auch in allen anderen Lebensbelangen generell in Frage. Alternativ können Sie auch auf jede Stellungnahme verzichten. Sie demonstrieren mit gelassener Ruhe, wie sicher und selbstverständlich Sie die hohe Qualität Ihrer Arbeit beurteilen. Wer braucht schon Feedback vom Volk?

Beauftragen Sie für jeden Fachbereich einen Gutachter, der Ihnen auch noch die Leistungstexte erstellt. Rechnen Sie Ihr volles Honorar ab und die Gutacherleistungen soll der Bauherr gefälligst selbst bezahlen. Sie können ja nichts dafür, dass die Bausanierung so kompliziert geworden ist.
Besitzen Sie erst einmal die Leistungstexte Ihrer Gutachter, können Sie zukünftig gut und gern auf diese Leute verzichten. Es hat sich bewährt, die speziellen Leistungstexte auf Datenträgern anzufordern. Da braucht Ihre Sekretärin den ganzen Kram nicht noch mal abzutippen. Verfügen Sie über ein eigenes Netzwerk, macht es sich gut, wenn Sie die Texte dort ablegen. So kann selbst Ihr Praktikant zukünftig spezielle Ausschreibungen selbstständig erstellen. Sie müssen nur noch kontrollieren welches LV Ihr Haus verlässt, damit kein Honorar verschenkt wird.
Benutzen Sie ungeniert Leistungstexte von anderen Fachleuten und machen Sie sich keine Gedanken über Copyrights. Das ist nur was für Langweiler, die die Zeichen der Zeit nicht erkannt haben. Bringen Sie etwas Schwung in den Laden, indem Sie die wirklich guten Sachen als die Ihrigen verkaufen. Es reicht völlig aus wenn Sie ein paar Namen ändern. Die Urheber werden es Ihnen danken, da die Genialität ihrer Arbeit allein durch Ihr Kopieren bestätigt wird. Und so haben dann alle was davon.
Halten Sie sich bei Leistungsbeschreibungen so kurz wie möglich. Der Handwerker weiß schließlich selbst wie es geht, und mit kurzen Leistungsbeschreibung, möglichst auf wenige Positionen zusammengefasst, sichern Sie sich bei geringen Aufwand ein maximales Honorar.

Gestalten Sie öfter mal ein Denkmal neu! Es geht doch nichts über eine neues, gepflegtes äußeres Erscheinungsbild. Haben Sie Mut zur Farbe! So ziehen Sie die Öffentlichkeit garantiert in Ihren Bann. Die Denkmalämter werden damit zusätzlich unter Druck gesetzt und nichts ist lustiger als überraschte Behörden.
Wenn Sie Ihre Arbeit bekannt machen wollen, ob in einem Forum, einer Tages- oder Fachzeitung, dann schreiben Sie immer : "................erstrahlt im neuen Glanz". Besser ist natürlich „........schöner denn je“, hierdurch machen Sie zusätzlich auf Ihre kreative Kraft aufmerksam.

Wenn Sie zu den Fachplanern und Gutachtern gehören, beachten Sie bitte die Sonderregeln:
Am Anfang schreiben Sie in Ihrem Gutachten immer ausgiebig über die großen Probleme bei Ihrer Arbeit, damit der Leser gleich zu Beginn mit der Information versorgt wird, die ihn am allermeisten interessiert.
Verzichten Sie nie auf komplizierte Fachausdrücke, die beim Bauherrn Verwirrung stiften. Wer keine Ahnung hat, muss sich eben entsprechende Fachliteratur besorgen!
Stellen Sie so viele Behauptungen wie nur möglich auf. Bringen Sie ein bisschen Schwung in die Sache! Je spektakulärer desto besser!
Verschleiern Sie nach besten Kräften die inhaltliche und logische Struktur Ihres Werkes. Nichts verwirrt den Auftraggeber mehr als ein klares Konzept. Schließlich arbeiten Sie ja wissenschaftlich, was nur einer Elite in die Wiege gelegt wurde.
Vereinfachen Sie Ihre Dokumente, indem Sie auf jegliche Quellenangaben verzichten.
Kommentieren Sie niemals Fotos in Ihrer Arbeit. Das ist reine Zeitverschwendung.
Erfreuen Sie die Denksportler unter Ihren Kollegen, indem Sie Fotos, Proben etc. mit abwechslungsreichen, sinnfreien Zahlen- und Buchstabenkombinationen versehen.
Bauen Sie in Ihre Arbeit viele graphische Darstellungen ein. Bei der Fachwelt sind Kartierungen sehr beliebt. Ihre Kartierungen sollten Sie allerdings so rätselhaft wie möglich präsentieren. Einige überraschend gesetzte Kringel tragen ganz erheblich zur Attraktivität bei.
Legen Sie keinen Wert auf die Lesbarkeit Ihrer Kartierung. Je bunter desto besser!
Kartieren Sie immer in "günstigen" Maßstäben (am besten 1:1000). So gewinnen Sie Gestaltungsfreiraum. Machen Sie sich keine Gedanken über Leute, die sich für das Detail interessieren - das sind Krümelkacker. Sie beweisen damit, dass Sie nicht nur die Gestaltung perfekt im Griff haben, sondern lassen so auch geschickt durchblicken, welch hohes Abstraktionsvermögen Sie doch besitzen.

Beschriften Sie Ihre Ordner bei jeder Gelegenheit nach Herzenslust. Sie erreichen eine gesteigerte Aufmerksamkeit und der Betrachter freut sich zu sehen, wie viele Farben es doch gibt. Wenn Sie ständig ein neues Layout entwerfen, wird die Begeisterung keine Grenzen kennen.

Seien Sie modern, arbeiten Sie immer mit dem Computer. Benutzen Sie immer die neuste Software, und kaufen Sie mindestens alle 6 Monate neue Technik. Wenn irgendein anderer Ihre Daten ohne Zeichensalat lesen will, solle er gefälligst das gleiche Betriebssystem, die gleiche Software und denselben Zeichensatz benutzen wie Sie. Denn Ihres ist zweifellos das optimale System. Die anderen sind selber schuld, wenn sie bisher ihr ganzes Honorar versoffen haben und deshalb mit vorsintflutlicher Technik arbeiten müssen.

Wenn Sie es auf die Spitze treiben möchten, schreiben spezielle Computerprogramme! Das ist einfacher als Sie glauben. Sie klauen einfach eine Idee, nehmen ein einfaches Programm ändern das Layout - fertig! Das bissel Programmierung lernen Sie an der VHS oder bitten Sie Ihre Kinder um Hilfe. Profis basteln aus verschiedenen Programmen ein spezielle Software für Denkmalpfleger zusammen. Einfache Bedienbarkeit ist das A und O! Der Bedarf ist entsprechend hoch. Ein vielversprechender Programmname ist Pflicht. Namen wie Denkmaldata, Compupflege oder Denkmediamal steigern den Absatz erheblich. Sie können damit rechnen, dass mind. 40 % aller Denkmalpfleger Ihr Programm mögen, davon werden es 20 % kaufen und die Hälfte anwenden. Rechnen Sie also mit einem Absatz von 1-2 Stück.

Wer Ihr Programm nicht schätzt und kauft, ist selber schuld, er hat die Zeichen der Zeit nicht verstanden und wird mit seiner Philosophie immer auf der Seite der Verlierer bleiben.
Berücksichtigen Sie auch: Was nichts kostet, taugt auch nichts!
Ein wöchentliches, kostenpflichtiges Update ist Pflicht!

Sonderthema BAUFORSCHUNG

Die Grundregeln für Bauforscher

Wer als Planer, Architekt oder Restaurator nicht Fuß fassen konnte, dem sei die Bauforschung ans Herz gelegt
Bauforschung ist ein mystisches Kapitel, deshalb sehr einfach und hier unser Aufruf : „Werdet Bauforscher!“

Auch die Bauforschung kann sehr einträglich sein und auch hier gilt: Alle Beteiligten sind auf Sie angewiesen und Ihnen damit erbarmungslos ausgeliefert. Wenn Sie es geschickt anstellen, können Sie es in kürzester Zeit zu Ruhm und Ehre bringen.

Eine spezielle Ausbildung ist nicht nötig. Im Gegenteil, Sie verlieren durch jede Art der Ausbildung, Studium, Lehrgänge und Seminare nur wertvolle Zeit. Während andere ihre Kraft in derartige unsinnige Zeitverschwendung investieren, nutzen sie lieber Ihre Chancen oder beschaffen Sie sich derweil die Grundausstattung.
Kaufen Sie sich einen Kleinbuss! Eine Wohnmobilausstattung verbessert den Eindruck. Die brauchen Sie zwar nicht unbedingt, aber denken Sie auch mal an Ihren Urlaub und die Möglichkeit des steuerlichen Absetzens. Das Fahrzeug sollte nicht ganz neu sein und mindestens 280.000 km auf der Uhr haben. Versuchen Sie Ihren AG auf jeden Fall darauf hinzuweisen, so kann er schlussfolgern, dass Sie überaus gefragt und ständig am umherreisen sind. Zur Not besorgen Sie sich einen gebrauchten Tacho.
Besorgen Sie sich jede Menge technische Geräte, völlig egal, zu welchem Zweck diese dienen sollen. Die Funktionstüchtigkeit und der eigentliche Verwendungszweck spielt dabei keine Rolle. Fragen Sie in Krankenhäusern, KfZ-Werkstätten oder beim Militär nach alten Geräten. Zur Not tut es auch ältere Computerhardware o.ä., die man sichtbar auf z.B. Sperrholztafeln schraubt und verkabelt. Von außerordentlicher Bedeutung ist jedoch, dass die Leuchtanzeigen funktionieren!

Bestehen Sie bei Ihrer Arbeit immer darauf, dass Sie ungestört und allein arbeiten müssen. Verweisen Sie auf die Empfindlichkeit Ihrer teueren Geräte. Achten Sie unbedingt darauf, dass die Kaffeemaschine nicht sofort als solche erkennbar ist, denn sie müssen immer mit unangemeldeten Besuch Ihres Auftraggebers auf der Baustelle rechnen. Die Kaffeemaschine in einen alten Monitor einzubauen hat sich bewährt.
Vergessen sie trotz aller Ruhe niemals sich permanent über die Umstände auf der Baustelle zu beschweren.

Hüten Sie sich vor kleinen Freilegungen, die sieht womöglich keiner! Je größer desto besser. Wer seine Freilegungen nicht kennzeichnet, hat wirklich nichts begriffen. Verwenden Sie dazu unbedingt immer große Zettel (mind. A4) und befestigen Sie diese möglichst dauerhaft am Objekt. Oft ergibt sich auch die Gelegenheit, dass an Nachbargebäuden geklebt werden kann. So stellen Sie sicher, dass für Ihr Unternehmen dauerhaft und kostenlos geworben wird.
Es ist absolut unbedeutend ob ein Zusammenhang mit Ihrer Arbeiten besteht. Auf "Befundschildern" ist prima Platz für Informationen über Ihr Unternehmen.
Achten Sie aber unbedingt darauf, dass Sie bei Umzug oder Änderung Ihrer Handynummer auch Ihre alten Befundzettel aktualisieren.

Und zu guter Letzt, veröffentlichen Sie was das Zeug hält........

J. Linke, 2004