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THÜRINGER MÖRTELREGISTER

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Ein Register historischer Mörtel in Thüringen unter primärer Berücksichtigung der gestalterischen Wirkung

J. Linke, A. Dähne; in Zusammenarbeit mit dem Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege

Thüringer Mörtelregister

Begriffsbestimmung Mörtel:

Im Sinne des Mörtelregisters sind als Mörtel alle Baumaterialien anzusehen, die aus einem künstlichen Gemisch von überwiegend mineralischen Bindemitteln und Zuschlagsstoffen bestehen und in der Lage sind physikalisch o. chemisch zu erhärten, nach der Erhärtung in sich stabile adhäsive und kohäsive Verbindungen ergeben und zwischen unterschiedlichen Baustoffkörpern als auch mit der Baustoffoberfläche eine Verbindung herstellen. Mörtel unterscheiden sich im wesentlichen durch den Einsatzzweck. Sie können statisch-konstruktive und allgemeine technische Funktionen besitzen. Außerdem können Mörtel auch selbst als künstlerisches Gestaltungssystem eingesetzt sein.

1. Aufgabenstellung (Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege, Abt. Restaurierung / H. Reinhardt, Erfurt, den 10.02.1997)

Situation:

In der denkmalpflegerischen Praxis sind fast immer aus ästhetischen und konservatorischen Gründen Putz- und Fugenmörtel zu fordern, die einerseits den ästhetischen Intentionen an den Baudenkmalen folgen und andererseits die technische Verträglichkeit mit den am Denkmal verarbeiteten historischen Baumaterialien gewährleisten. Dabei gibt es lokale, regionale und auch zeitlich einzugrenzende Besonderheiten, die in ihrer Vielfalt in Thüringen bisher unter den o. g. Gesichtspunkten noch nicht systematisch erfasst wurden.
Putze haben neben ihrer Schutzfunktion auch eine wesentliche Bedeutung als Bestandteil der ästhetischen und künstlerischen Umsetzung einer Gestaltung. Zuweilen dienen sie auch als Träger von Malerei. Derzeit werden sie in der Regel fast immer nur unter naturwissenschaftlich-technischen Aspekten erfasst und beschrieben. Die ästhetischen Komponenten spielen, wenn überhaupt, nur eine untergeordnete Rolle. Gerade sie sind jedoch neben den architektonischen Formen oft Träger des Gestaltungswillens.
Die oft extreme Exposition von Außenputzen führt zu Verlusten dieser ästhetischen Informationen. Das kann unter Umständen zu einer Minderung des Denkmalwertes führen. Weitere, nicht unbeträchtliche Verluste gibt es durch die verbreiteten Tendenzen zu perfekten Oberflächen, die grundsätzlich mit dem Verlust historischer Putze und oft uniformen Neuputzen entsprechend Normen verbunden sind.

Ziel:

Das Mörtelregister soll in einer Zeit zunehmender Standardisierung zunächst der Dokumentation der mit regional typischen Technologien und Materialien spezifischer Mörtelkonfigurationen entstandener historischer Oberflächenstrukturen bzw. Gestaltungen dienen. Gleichzeitig soll es beim Auffinden analoger Beispiele für die denkmalpflegerische und restauratorische Praxis behilflich sein.
Den Disziplinen der historiologischen Forschung soll es als Quelle von Informationen dienen, die im Rahmen der klassischen Inventarisation nicht erfasst werden und durch die meist als Kunsthistoriker ausgebildeten Inventarisatoren auch nicht erfasst werden können. Deshalb ist bei den Kriterien des Mörtelregisters besonders Wert auf die ästhetisch - stoffliche Beschreibung der Putze zu legen.

Lösungsansatz:

Mit Hilfe einer einfach nachvollziehbaren Systematik soll ein Überblick über die in Thüringen historisch angewandten Mörtelsysteme, deren ästhetische Wirkung, Bestandteile und Zusammensetzung gegeben werden. Durch ein geeignetes Archivierungssystem von Primärdokumenten soll eine möglichst einfache visuelle, makroskopische Vergleichbarkeit gewährleistet werden.
Die Systematik des Mörtelregisters soll so aufgebaut sein, dass wesentliche Kriterien bereits durch die visuelle Beschreibung im Rahmen der täglichen denkmalpflegerischen Praxis erfasst werden können, da erfahrungsgemäß Mörtelanalysen nur im Ausnahmefall durchzusetzen sind.
Für die genauere Beschreibung, insbesondere der technischen Mörteleigenschaften sind minimale und optimale Analyseschritte in entsprechender Reihenfolge zu nennen. Dabei geht es nicht um die Untersuchung der Mörtel aus rein naturwissenschaftlicher Sicht!

2. Gestalterische Wirkung

Wie bereits einleitend festgestellt, werden bei rein naturwissenschaftlich-technischen Untersuchungen historischer Mörtel die gestalterischen Aspekte kaum berücksichtigt. Selbst bei vermeintlich "einfachen, zweckdienlichen Objekten" spielen aber ästhetische und gestalterische Aspekte eine weitaus größere Rolle, als dies zumeist angenommen wird.
Mörtel finden seit dem Altertum bautechnische und gestalterische Verwendung. Je nach Entwicklungs- und Wissensstand der Bauausführenden wurden und werden Baustoffe entsprechend ihrer spezifischen Eigenschaften für die jeweiligen Ansprüche bewusst ausgewählt. Als "Mauerspeise" dienen sie bei der konstruktiven Verbindung von Mauerwerk als Verbund- und Füllmaterial. Sie erfüllen dabei einen überwiegend technischen Zweck.
Weiterhin werden Mörtel auch als Schutz- und Nutzschichten oder zum Egalisieren verwendet. Diese Schichten treten flächig und sichtbar in Erscheinung und müssen zwangsläufig bestimmten Gestaltungsabsichten Rechnung tragen. Mitunter geschieht der flächige Einsatz von Mörteln auch nur aus gestalterischen Aspekten heraus.
Werden Mörtel flächig verarbeitet, bestimmen sie den visuellen Charakter der Bauwerksoberfläche und ihre optische Wirkung muss berücksichtigt werden. Damit erfolgt das willentliche Erzeugen oder Forcieren einer bestimmten Oberflächenbeschaffenheit und –qualität. Unterscheidet man bei der flächigen Mörtelverwendung zwischen Nutzschichten, Schutzschichten, Egalisierungsschichten und Materialimitationen, so müssen auch korrelative Zusammenhänge betrachtet werden.
Nutzschichten können Estriche und Putze gleichermaßen sein, wie dies auch für Putze als Materialimitationen und Schutzschichten zutreffend ist. Ein primärer eindeutiger Verwendungszweck lässt sich demnach schwer zuordnen.
Eindrucksvolle Befunde lassen sich beispielsweise an mittelalterlichen Wehrbauten finden. Die zumeist aus unregelmäßigen kleinen Quadern oder Feldsteinen errichteten Wehrmauern wurden mit Putzen versehen, um vielleicht die Konstruktion zu verbergen. Andere Beispiele zeigen in die Verputzung geritzte Quader, womit dem "Angreifer" vermutlich ein undurchdringbares, aus großen massiven Quadern bestehendes Mauerwerk suggeriert werden sollte. Der Mörtelverwendung ist in einem solchen Fall ein Nutzwert beizumessen, welcher in erster Linie auf die Gestaltung zurückzuführen ist. Ebenso verhält sich dies bei Materialimitationen (Stuckmarmor etc.).
Werden Mörtel für Fassadenputze oder Estriche verwendet, ergibt sich der Nutzwert aus deren technischen Eigenschaften. Gleichermaßen trifft dies für Egalisierungsschichten zu, die wiederum als Träger weiterer Gestaltungsmaterialien fungieren.
Zusammenfassend kann man feststellen, dass dem Nutzwert primäre Bedeutung bei der Verwendung von Mörteln zukommt. Dieser wäre grob in technischen und gestalterischen Nutzwert einzuteilen. Technische und gestalterische Aspekte korrelieren, trotzdem lässt sich in der Regel die Prävalenz eines bestimmten Nutzwertes erkennen.

Alle visuellen Eigenschaften einer Mörteloberfläche geben, ob bewusst oder zufällig entstanden, Aufschluss über ein historisches Erscheinungsbild der jeweiligen Architektur. Empirische und wissenschaftliche Erkenntnisse begründeten den gezielten Einsatz bestimmter Bindemittel, Zuschlagsstoffe, Zusätze, Mischungsverhältnisse und Verarbeitung, damit der Mörtel den jeweiligen Anforderungen an gewünschten Eigenschaften genüge. Wirkliche und vermeintliche positive Erkenntnisse sind (mehr oder weniger unverfälscht) weitervermittelt worden, und es entstanden Traditionen in der Mörtelherstellung und -verarbeitung. Historische Mörtel können somit Auskunft über den Wissensstand und die "Tradition" ihrer Produzenten liefern und sind schon dadurch als kulturhistorische Zeugnisse anzusehen. Bestimmte Produkteigenschaften wurden modifiziert und ihre Herstellung und Verarbeitung perfektioniert. Regionale Rohstoffvorkommen hatten zumindest so lang eine wichtige Bedeutung, wie die infrastrukturelle Entwicklung auf kleine Gebiete begrenzt war.
Dem Nutzwert entsprechend entwickelten sich regional typische Putzweisen. Bei eingehender Betrachtung wird man allerdings feststellen, dass sich die Entwicklung in den verschiedenen Gebieten parallel vollzog und der Unterschied oft nur in der Bezeichnung der Putzweisen besteht.

Die Erforschung historischer Baustoffe und ihrer Verarbeitung erbringt immer bessere Kenntnisse zu handwerklichen und künstlerischen Traditionen, zu Handelsbeziehungen und anderen überregionalen Verbindungen, zu Gestaltungsvorlieben bestimmter Zeiten und auch zu Fragen der technischen Ausstattung der Ausführenden. Um hierbei Zusammenhänge und Unterschiede erschließen zu können sowie eine Vergleichbarkeit zu gewährleisten, ist eine systematische Erfassung notwendig, die eine Bewertung aus historischer, aus kunst-, kultur- und technikgeschichtlicher Sicht zulässt. Es steht also die Frage nach Vergleichbarkeit der gesammelten Informationen. Regional typische Bezeichnungen der Putzweisen können dabei nicht zum Erfolg führen. Es muss vielmehr eine allgemein gültige Definition gefunden werden. Durch eine detaillierte Beschreibung des Mörtels ist die in dieser Aufgabe liegende Schwierigkeit zu lösen.
Definiert man eine Putzweise z.B. als Rauhputz, so wird genauer betrachtet hiermit lediglich eine Hauptgruppe von Putzen angesprochen. Je nach Region charakterisieren solche zwar geläufigen Bezeichnungen eine bestimmte Putzweise, der technische und gestalterische Unterschied kann aber erheblich sein. Ein süddeutscher Handwerker wird bezüglich dem Rauhputz ein anderes Erscheinungsbild assoziieren wie ein norddeutscher. Würde man hier zusätzlich historiologische Betrachtungen einfließen lassen, wären die Unterschiede so groß, dass letztendlich nur noch zwischen Glatt- u. Rauhputzen unterschieden werden könnte.
So unterschiedlich die gestalterischen Absichten mit Mörteln verwirklicht wurden, so ungleich wird auch die individuelle Sichtweise einzelner Erfasser bleiben, und sicherlich trügt manche Sichtweise auch über eine gewisse Unkenntnis hinweg. Klar definierte Vorgaben für eine Mörtelbeschreibung zu geben, kann lediglich der Versuch sein, die bekannten Unzulänglichkeiten einzuschränken.

Ein spezieller Rauhputz wird im Mörtelregister wie folgt erfasst:

  • der Mörtel wird anhand der Schicht identifiziert (Erfassungsblatt 1) = Oberputz (OP)
  • Zweck und Funktion des Mörtels (Erfassungsblatt 2) = Träger von Fassung
  • Flächengliederung oder Verzierungen (Erfassungsblatt 2) = keine
  • Verarbeitung (Erfassungsblatt 3) = angeworfen und abgezogen
  • Bearbeitung der Putzoberfläche (Erfassungsblatt 3) = Besenbund

Die technischen Eigenschaften (z.B. Korngrößen) werden in den Erfassungsblätter 4-5 beschrieben. Somit dürfte der Mörtel klar definiert und mit anderen Befunden vergleichbar sein. Schlussendlich kann der Primärbefund zur sicheren Bewertung herangezogen werden.

Die gestalterische Wirkung eines Mörtels wird im Register nicht explizit herausgearbeitet. Bei der Erfassung werden die Eigenschaften des Mörtels soweit aufgegliedert, dass subjektive Bewertungen respektive regional typische Bezeichnungen ausgeschlossen werden können.
Darüber hinaus darf es keine Rolle spielen, welchen Wert der Erfasser dem Befund beimisst oder welche "Gestaltungsabsichten" er dem Befund und seiner artifiziellen Behandlung "zusprechen" möchte.

3. Kriterien

Die Archivierung einer Vielzahl von Objekten, die zudem von mehreren Bearbeitern zusammengetragen werden, erfordert im Hinblick auf die Verwaltung eine Vorgehensweise, welche eindeutige Kriterien zur Beurteilung besitzen müssen. Nur vergleichbare, prägnante Informationen sind statistisch auswertbar, was Definitionen erforderlich macht.
Im Rahmen der täglichen denkmalpflegerischen Praxis erweisen sich bestehende Informationssysteme nur bedingt geeignet, zunehmende Bedeutung erlangen diese jedoch bei der wissenschaftlichen Arbeit.
Mit dem Thüringer Mörtelregister soll der Versuch angestellt werden, einen Teil individueller Objekteigenschaften als Sammlung von Primärdokumenten anzulegen und diese einer wissenschaftlichen Auswertung zukommen zu lassen. Im Vordergrund steht die Archivierung und Dokumentation, welche die wissenschaftliche Auswertung des Mörtelregisters als perspektivisches Ziel hat. Das Register soll möglichst einem breiten Publikum von Fachleuten zur Verfügung stehen und damit die interdisziplinäre Zusammenarbeit beflügeln.
Mit diesem Ansatz wurden bereits die Erfassungsmethoden eingegrenzt. Um in relativ kurzer Zeit einen wissenschaftlichen Nutzen aus dem Register ziehen zu können, muss das Erfassungssystem einer Vielzahl von Informationen offen stehen und zudem Rücksicht auf die tägliche denkmalpflegerische Praxis sowie die unterschiedlichen Anwendergruppen nehmen.
In der Regel können Objekte oft nur mit minimalem Aufwand untersucht werden, was aber nicht die Qualität der Ergebnisse in Frage stellt. Gerade hier setzt das Register an, da ein Minimalaufwand immer mit einfachen Untersuchungsmethoden verbunden ist und hierdurch ein schneller Informationszuwachs erwartet werden kann.

Wissenszuwachs kann nur aus Analysen hervorgehen und ist von deren Quantität abhängig. Geht man davon aus, dass ein Defizit an spezifischen Informationen existiert aber ein schneller Informationszuwachs mit Minimalaufwand erforderlich ist, liegt die Lösung bereits in der Aufgabenstellung.
Die geforderten Aussagen zur gestalterischen Wirkung von Mörteln sind nur durch die visuelle Begutachtung zu finden. Ein unverhältnismäßig hoher Aufwand ist hieraus nicht abzuleiten.
Um möglichst eine Vielzahl der sich mit der Thematik historischer Mörtel befassenden Fachleute für die Mitarbeit am Thüringer Mörtelregister gewinnen zu können, müssen die Fragestellungen ohne größeren Aufwand lösbar sein. Die geplante Erfassung wird von der herkömmlichen Praxis nur insofern abweichen, als im Gegensatz zur verbalen Beschreibung für eine zentrale Inventarisierung eindeutige und prägnante Aussagen getroffen werden müssen. Die Erfassung darf einerseits keinen unzumutbaren Aufwand bedeuten und sollte andererseits möglichst praktikabel sein.
Im Sinne einer vergleichbaren Auswertung aller gesammelten Informationen müssen immer eindeutige Antworten gegeben werden, woraus das Arbeiten mit Formblättern resultiert. Dem Ziel des Registers entsprechend, wird der Erfasser durch die Formblätter gewissermaßen gezwungen, seinen Eindruck in klar definierten Aussagen wiederzugeben.
Bereits in der Anfangsphase der Erstellung der Formblätter wurde die darin liegende Schwierigkeit deutlich. Nach gründlichster Abwägung wird die Zusammenstellung der Kriterien für die Systematik des Registers vorerst als abgeschlossen betrachtet. Die verbleibende Unzulänglichkeit schlägt sich in den Freitextfeldern nieder. Ein Fortsetzen der Diskussion um die Erfassungskriterien muss zu gegebener Zeit erfolgen.
Auf das Einarbeiten von Bilddokumenten in die Datenbank wurde bewusst verzichtet, da dies für die Verwaltung der Primärbefunde nicht notwendig ist.

4. Struktur und Systematik

Die Inventarisation geht überwiegend vom Objekt aus, wird aber aus unterschiedlichen Aspekten betrachtet und ist demnach von speziellen Fachbereichsinteressen beeinflusst.
Im Rahmen verschiedener Projekte entstanden inzwischen zahlreiche EDV-gestützte Informationssysteme mit weitverzweigtem Index, die zumeist das Denkmal als zentrales Objekt der Registrierung haben. Das Thüringer Mörtelregister verfolgt dieses Ziel nicht, es versteht sich als spezielle Inventarisierung, welche auf die Spezifika einer Ingredienz des Denkmals eingeht.
Aufgrund der angestrebten zentralen Archivierung von entnommenen Primärbefunden ist die Katalogisierung Hauptbestandteil des Mörtelregisters.

Der hohe Stellenwert wissenschaftlicher Dokumentationen in der Denkmalpflege führt zur Ansammlung verschiedenster Informationen, die einer Systematik bedürfen. Das Thüringer Mörtelregister soll lediglich einen Zweig dieser Systematik darstellen und an übergeordnete Indizes angeknüpft werden können. Es bleibt letztendlich der Datensammlung und dem interdisziplinären Nutzungsinteresse überlassen, inwieweit das Thüringer Mörtelregister in bestehende Strukturen eingefügt werden kann.

Ausgehend von der Aufgabenstellung war anfänglich die Struktur des Registers aufzubauen. Dabei wird grundsätzlich vom Primärbefund ausgegangen, der dem Objekt zugeordnet werden kann.

Das Mörtelregister stellt eine Katalogisierung dar, die sowohl auf die Befunde am Objekt eingeht aber vor allem die entnommenen Primärbefunde erfasst.

Zu jedem Befund müssen Daten

  • erfasst,
  • verwaltet,
  • ausgewertet und
  • abgefragt werden können.

Im Hinblick auf die zu erwartende hohe Anzahl der Befunde ist insbesondere deren Verwaltung von außerordentlicher Bedeutung. Ferner soll das Mörtelregister offen für weitere Anwendungen bleiben, welche bei der Erstellung nicht relevant waren oder deren Möglichkeiten sich erst aus dem Register selbst ergeben.

5. Datenerfassung

Die an zentraler Stelle archivierten Primärbefunde bilden die Grundlage für weitere wissenschaftliche Auswertungen. Mit der zunächst der Dokumentation dienenden Registrierung kann sich eine Informationsquelle entwickeln, die über die klassische Inventarisation hinausgeht. Eine Sammlung von Primärdokumenten beinhaltet immer auch Informationen, welche erst durch wissenschaftlichen Fortschritt zugänglich gemacht werden können. Insofern liegt das Primat des Registers bei der Archivierung. Die unabdingbare Erfassung der dem Befund zugehörigen Daten konzentriert sich auf die Identifikation.
Entsprechend der Forderung nach Identifizierbarkeit der Befunde muss eine eindeutige Beschreibung erfolgen. Für diese Beschreibung ist eine Hierarchie erforderlich, die unter Beachtung der Nachvollziehbarkeit die Erfassung auch für den weiteren Informationszuwachs offen lässt.
Im Hinblick auf die Datenverwaltung ist die Vergleichbarkeit der gesammelten Informationen zu den einzelnen Befunden von größter Bedeutung. Untersuchungsergebnisse in Form von Berichten sind für vergleichende Analysen denkbar ungeeignet. Die Vergleichbarkeit ist von der Prägnanz der Beschreibung abhängig, so dass sich die Erfassung über Formblätter als die praktikabelste erwiesen hat. Mit Hilfe von Formblätter können Daten effizient und eindeutig erfasst und damit beste Voraussetzungen für die Datenverwaltung geschaffen werden. Um die Formblätter übersichtlich halten zu können, wurden prägnante Beschreibungskriterien gewählt, die in einem Glossar genauer erläutert sind.
Die Formblätter (Erfassungsblätter) sollen bereits vor Ort zur Sammlung von Informationen eingesetzt werden. In der Regel kann man davon ausgehen, dass an einer Befundstelle mehrere Mörtelschichten auftreten. Insofern beginnt jede Erfassung mit dem Erfassungsblatt 1 (Gesamtprobe). Auch wenn nicht alle Schichten der Archivierung zugeführt werden, sind die Befunde an der Entnahmestelle aufzunehmen. Die Schichtenfolge wird immer in Folge auf den Untergrund fortlaufend gezählt (unterste Schicht =1). Ist der Mörtel in der entnommenen Probe enthalten, wird dies im Feld "In Probe enthalten" gekennzeichnet. Die Erfassungsblätter 2-5 beinhalten dann nur noch Angaben zur entsprechenden Mörtelschicht.
Die Zuführung der Befunde zur zentralen Archivierungsstelle und deren Erfassung über Formblätter ersetzt nicht die Dokumentation, Untersuchungsprotokolle und –berichte, sondern ist vielmehr als Exzerpt dieser anzusehen.

6. Datenverwaltung

Da sich der Datenzugriff über elektronische Informationssysteme als Standard durchsetzen dürfte und hierdurch eine effiziente Nutzung von Datensammlungen gewährleistet wird, liegt deren Verwaltung über ein Relational Database Management System (RDBMS) nahe. Als Datenbankanwendungsprogramm wurde Microsoft Access gewählt, da es sich durch eine leicht zu bedienende Oberfläche auszeichnet und zu den weit verbreitetsten Datenbankanwendungsprogrammen gehört.
Die definierte Datenerfassung über Formblätter vereinfacht deren Verwaltung wesentlich.
Anhand der Formblätter wird die Datenbank gespeist. Diese sind so gestaltet, dass sie in etwa den Datenmasken (Formulare) entsprechen. Sind Daten zu den Proben unbekannt, unsicher usw., so ist dies auf den Formblättern entsprechend zu vermerken oder entsprechende Felder sind freizulassen. Die Übernahme in die Datenbank erfolgt dann entsprechend der Formblätter.
Neben der elektronischen Datenerfassung werden die den Befunden zugehörigen Formblätter archiviert.

7. Datenauswertung

Die Daten der archivierten Primärbefunde können vornehmlich mit Hilfe der Datenbank aber auch durch die dem Befund zugehörigen Formblätter ausgewertet werden. Ohne Frage bietet die Datenbank bessere Voraussetzungen zur Auswertung, da sämtliche Daten über "Berichte" zusammengefasst, sortiert und abgerufen werden können. Zudem gestattet die Datenbank spezielle Abfragen zum gesamten Inhalt.
Beispielsweise bestünde die Möglichkeiten, alle Mörtel mit hydraulischen Zusätzen (Ziegelmehl) bzw. alle rissigen oder abblätternden Mörtel abzufragen. Ebenso ist eine Abfragenkombination wie z.B. die aller Mörtel des 12.Jh, mit einem Gipsanteil, im Kreis Weimarer Land möglich. Wie bei der Erfassung, ist auch bei der Abfrage die Eindeutigkeit von größter Bedeutung. Eine Abfrage nach "Ziegelmehl" würde den registrierten Bestand auflisten, eine Abfrage nach "gemahlenen Ziegeln" bliebe jedoch ohne Ergebnis. Zur Formulierung der Abfragen müssen die Erfassungsblätter und das Glossar genutzt werden.
Das Erarbeiten gezielter Recherchefunktionen ist für eine nächste Arbeitsphase am Mörtelregister vorgesehen.

8. Entnahme und Aufbereitung der Primärbefunde

Der Schichtenaufbau an der Entnahmestelle muss möglichst vollständig erfasst werden. Auch wenn bei der eigentlichen Aufgabenstellung am Objekt nur eine Mörtelschicht von Interesse ist, so sollte die gesamte Abfolge in das Register überführt werden. Ein Primärbefund kann demnach aus einer als auch aus mehreren Mörtelschichten bestehen.
Bei den dem Archiv zuzuführenden Befunden sollten die Schichten möglichst miteinander verbunden bleiben. Grundsätzlich ist also das Archivieren der Proben im vorgefundenem Zustand anzustreben. Sofern dies nicht zu gewährleisten ist, muss die Probe entsprechend eingebettet werden. Das Einbetten der Proben soll grundsätzlich nur dann erfolgen, wenn deren Erhaltung im Register fraglich erscheint.
Abgesehen von der Registrierung der Eigenschaften der entnommenen Proben, ist auch der Probengröße und Aufarbeitung entsprechende Aufmerksamkeit beizumessen. Wenn möglich, ist auf eine einheitliche Probengröße von ca. 10 x 10 cm zu orientieren. Erweisen sich die Befunde als fest, ist ein Profilanschliff an einer Seite vorzunehmen, so dass die Schichtenfolge sichtbar wird.
Nicht eingebettete Proben können für Nachuntersuchungen herangezogen werden. Eingebettete Proben hingegen schränken die Möglichkeiten der Nachuntersuchungen sehr ein.

9. Archivierung der Proben

Die Archivierung der Primärbefunde erfolgt in einem zentralen Depot. Bei dessen Einrichtung müssen nachfolgende Kriterien beachtet werden:

Platzbedarf

Ausgehend von einer durchschnittlichen Probengröße von 10x10 cm, ist die Lagerung der Proben in Kleinteilmagazinen zu empfehlen. Handelsübliche Kleinteilmagazine werden in der Regel in Form von Schränken mit Einschüben hergestellt.
Sichtregale stellen eine weitere Möglichkeit für die Archivierung dar, hierzu müssen die Proben jedoch einzeln verpackt werden (z.B. Pappschachteln).
Die Archivierung der Erfassungsblätter kann in Ordnern oder Hängeregistern erfolgen. Hier können ggf. auch Fotos, Skizzen etc. beigefügt werden
Welcher räumliche Bedarf letztendlich notwendig ist, lässt sich zu Beginn der Archivierung nicht abschätzen. Anfänglich dürfte ein kleiner Raum ausreichend sein. Im Hinblick auf die Erweiterung des Depots sollte von Anfang an auf die "Transportfreundlichkeit" der Register und Magazine achtet werden.

Magazine /Anforderungen

Verfügbarkeit
Im Zuwachs der Primärbefunde wird keine Kontinuität liegen, bei der Anschaffung der Magazine oder Regale ist deshalb auf langfristige Verfügbarkeit zu achten.

Verträglichkeit
Bei Kunststoffen, Lacken und behandelten Hölzern entweichen kontinuierlich geringe Mengen von Weichmachern, Lösemitteln etc. Diese Materialien verändern allmählich ihre Eigenschaften indem chemischen Bestandteile "abwandern". Mit der Probe oder dem Einbettungsmaterial entstehen unerwünschte Reaktionen, was die Materialien zur Archivierung der Primärbefunde untauglich macht. Wesentlich besser eignen sich Magazine, die aus Edelstahl oder zumindest aus verzinktem Stahl bestehen. Unter bestimmten Voraussetzungen können auch Kartonagen verwendet werden.

Übersichtlichkeit / Handhabung
Für die Archivierung stehen zwei unterschiedliche Systeme zur Auswahl (Regalsystem und Schubladensystem).
In einem offenen Regalsystem befindet sich jeder Primärbefund in einer eigenen geschlossenen Verpackung (Karton). Überschaubar bliebe in diesem Fall lediglich der INDEX. Um den Befund begutachten zu können, müßte jede Verpackung einzeln geöffnet werden. Der entscheidende Vorteil liegt bei der einheitlichen Verpackungsgröße, was jedoch eine maximale Probengröße vorschreibt. Zusammen mit den Erfassungsblättern können die Verpackungen von der archivierenden Stelle an die Erfasser herausgegeben werden.

Bei der Archivierung in Schubladensystemen sind die Befunde sichtbar, ohne dass diese herausgenommen werden müssen. In Schubladenschränken, etwa vergleichbar einem Zeichenschrank, können pro Schublade 50 bis 100 Primärbefunde untergebracht werden. Der Vorteil dieser Archivierung ist die schelle Übersicht und optische Vergleichsmöglichkeit der Befunde. Die Schubläden können variabel unterteilt werden.
Robuste Stahlblechkonstruktionen sind erforderlich, da eine vollständige Schubladenbestückung ein Gewicht bis zu 40 kg und mehr erreichen kann.

Lagerbedingungen
Konstante Lagerbedingungen sind zur langfristigen Erhaltung der Primärdokumente erforderlich. Eine Klimatisierung des Archivs ist sicherlich wünschenswert, dürfte jedoch unpraktikabel sein und hohe Unterhaltskosten hervorrufen.

Im Archiv sollten keine hohen Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen auftreten, so dass die Austrocknung oder Feuchteaufnahme der Proben in vertretbaren Grenzen gehalten wird.
Mitunter werden Proben auch schadstoffbelastet sein. Die daraus resultierenden Gefahren wachsen mit dem Archiv an. Insbesondere können die Proben Sporen von Pilzen oder gar echten Hausschwamm beinhalten.

10. Ausblicke

Stand am Anfang des Vorhabens zur Registrierung und Archivierung historisch angewandter Mörtelsysteme in Thüringen noch die Art und Weise der Erfassung in Vordergrund, so hat sich während der Bearbeitung gezeigt, dass deren Verwaltung eine ebenso hohe Aufmerksamkeit zuteil werden muss.
Die Berücksichtigung der gestalterischen Wirkung von Mörteln erwies sich insofern als schwierig, da dies wesentlich von der Sichtweise und dem Wissen um historische Technologien abhängig ist. Die allgemein geläufige, ausformulierte Beschreibung eines Befundes ist für die einheitliche Erfassung ungeeignet. Zudem unterscheiden sich regionale Bezeichnungen, obwohl es sich um gleiche Putzweisen handelt. Bei den festgelegten Erfassungskriterien dürften also zukünftig noch Korrekturen, Zutaten oder Abstriche notwendig sein.
Nichtsdestotrotz muss mit der Erfassung begonnen werden, da erst die praktischen Erfahrungen bei der Anwendung die Erfassungskriterien in Frage stellen oder bestätigen kann. Je größer und individueller der Kreis derer ist, die dem Mörtelregister Informationen beisteuern, desto objektivere Erfassungskriterien sind zu erwarten.
Damit schnell Erfahrungen gesammelt werden können, soll die bisherige Standardisierung der Erfassung vorerst unverändert bleiben. Auch die Datenbank ist so gestaltet, dass zusätzliche Kriterien nicht automatisch aufgenommen werden können. Sie dient zunächst lediglich der Verwaltung und wächst entsprechend dem Mörtelregister.

Mit der Datenbank ist eine wichtige Voraussetzung für die Auswertung des Registers geschaffen worden. Für die denkmalpflegerische und restauratorische Praxis hält das Mörtelregister Informationen bereit, die je nach Fragestellung abgerufen werden können.
Solange das Register jedoch noch keinen zureichenden Inhalt besitzt, kann auch kein definiertes Interesse an der Auswertung bestehen. Folglich bleiben die Kriterien zur Auswertung des Registers einem zukünftigen Bearbeitungsschritt vorbehalten.
Die Datenbank ist als ein "Nebenprodukt" des Registers anzusehen, dessen gesamter Nutzen sich erst später zeigen kann.

Wie die Überprüfung der Kriterien zur Datenerfassung und die Erarbeitung solcher zur Datenabfrage, muss die Zweckmäßigkeit der elektronische Datenverarbeitung in einer weiteren Bearbeitungsphase überprüft werden. Durch die Vorsorge, die Datenbank soweit offenzuhalten, dass sie an übergeordnete Systeme angeknüpft werden kann, sind entscheidende Fragen ungeklärt geblieben. Der Abgleich der Informationen mit beispielsweise den VDI-Richtlinien wäre ebenso zu prüfen wie die Integration des Mörtelregisters in das MIDAS-Programm. Auf jeden Fall ist diesbezüglich das Hinzuziehen von Informatikern anzuraten. Weiter könnten entsprechende Fachleute sich folgenden Problemen widmen:

  • die Datenbank in Mehrbenutzerumgebung
  • Datentransfer in die Datenbank
  • Datenaustausch und Abgleich weiterer Datenbanken
  • Datensicherheit

Sobald das Mörtelregister ausreichend angewachsen ist und verschiedenen Fragestellungen zur Auswertung der Datenbank formuliert sind, können Recherchefunktionen wie Vergleichsformulare, Berichte, Sortier- u. Suchfunktionen realisiert werden. In dieser Bearbeitungsstufe kann dann auch eine Korrektur der Erfassung erfolgen.

J. Linke, Mellingen im November 2001

postscriptum 2012: Die Studie zum Thüringer Mörtelregister wurde 2001 abgeschlossen und entsprechende Informationen online gestellt. Die pons asini PG distanziert sich ausdrücklich von der im Jahr 2012 erstellten Thüringer Mörteldatenbank.