REFERENZEN - BAUFORSCHUNG

zurück zur Übersicht


Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland Lizenz.

 

 

 

Bestandserfassung Schloss Behringen

 

Wesentlicher Inhalt der bauforschenden Untersuchungen war die Klärung der Frage der baulichen Entwicklung der Gebäude.

Hierzu war zunächst eine intensive Archivrecherche zu vorhandenen Bauunterlagen etc. nötig. Nach deren Auswertung wurde für die Fassaden und für die Innenräume ein Bau- und Raumbuch angelegt.

Für die Bestandserfassung waren vorerst lediglich Sondierungen vorgesehen, die eine erste Einschätzung des Bestandes nach seiner Identität und dem jeweils erforderlichen weiteren Untersuchungsbedarf zum Ziel haben sollte. Darüber hinaus konnten sie einen Beitrag zur Klärung der baulichen Entwicklung und zeitlichen Einordnung der Bausubstanz leisten.

Unter Zugrundelegung der aus der Archivrecherche gewonnenen Erkenntnisse erfolgte eine systematische SONDIERUNG sämtlicher Räume und Fassaden des Schlosses. Dabei wurde der Untersuchungsumfang entsprechend der erkennbaren Wertigkeit und des Umfanges an Überformungen verschieden hoch angesetzt.

Die Ergebnisse der Befunderfassung wurden in einem als Datenbank angelegten BAU- UND RAUMBUCH dokumentiert. Dies sichert gleichzeitig eine Fortschreibung und ständige Aktualisierung. Im Bau- und Raumbuch wurden sämtliche Fassaden, baugeschichtlich sinnvoll nach Fassadenabschnitten unterteilt, eingehend beschrieben. Gleiches gilt für die Innenräume. Hier erfolgte, entsprechend der Wertigkeit, eine Beschreibung des Gesamtraumes bzw. einzelner Wand-, Fußboden- und Deckenflächen.

Die untersuchten Fassadenabschnitte, Räume und Raumbereiche wurden hinsichtlich der Qualität und Mengen des historischen Bestandes einer ersten Bewertung unterzogen. Diese stellt einerseits eine Vorgabe für den weiteren Umgang mit dem jeweiligen Bereich im Baufortgang dar, daneben ist sie Grundlage für die Erhebung des weiteren Bedarfs von Untersuchungen.

Wichtige Befundstellen sowie baugeschichtlich interessante Details wurden gesondert fotographisch dokumentiert.

Unter Zugrundelegen der Ergebnisse der Bestandserfassung wurden - vorerst hypothetisch - ein Baualtersplan sowie ein erster Abriss zur Baugeschichte des Schlosses erarbeitet.

Erkenntnisse und Hypothesen zur Baugeschichte des Schlosses Behringen

Die Aussagen basieren auf z.T. widersprüchlichen archivalischen Quellen sowie auf den Ergebnisse der bisher durchgeführten Bestandserfassung. Infolgedessen spiegelt der vorliegende Exkurs den gegenwärtigen Erkenntnisstand wider und erhebt keinesfalls den Anspruch auf vollständige Richtigkeit.

 

Mittelalterliche Vorgängerbauten

Die Existenz von Vorgängerbauten ist bisher nicht sicher nachzuweisen. Aus der Baustruktur und Grundrissdisposition könnte ein Vorgängerbau im südöstlichen Eckbereich des Gebäudekomplexes, als Rechteckbau in Nord-Süd- Ausdehnung, hypothetisch angenommen werden, jedoch wären von diesem lediglich Mauerteile, vornehmlich im Erdgeschoss, in den heutigen Bau integriert.

 

ERSTE Bauphase: Bautätigkeit unter Friedrich dem Mittleren von Wangenheim / 16.Jh.

Im Kern lassen sich der Südflügel (Keller, EG, 1.OG und Teile des 2.OG, hiermit wahrscheinlich auch Erker und der noch existente Teil des Treppenturmes) und der südliche Teil des Ostflügels (Keller und EG) einer ersten Bauphase zuordnen. Die Stilistik in Baugestalt und Baudekor weist dabei in die Frührenaissance und lässt daher eine Bauzeit um die Mitte des 16. Jh. annehmen:

  • durch Horizontalgesimse und Lisenen gegliederte Fassade
  • noch keine regelmäßige Fensterverteilung (Ausbildung von Fensterachsen)
  • Fenstergewände teils noch mit Überstäbungen, sonst schon ganz renaissancistisch ausgebildet
  • schrittweise Verkürzung der Fensterdimensionen mit der Geschossfolge
  • noch keine regelmäßige Eckrustizierung
  • Erker mit großer Vielfalt von Renaissance- Dekor (Maskarons, Akanthusfries, rollwerkähnliche Girlanden etc.)
  • einige wahrscheinlich ursprünglich erhaltene Fenstervergitterungen im Erdge-schoss des Südflügels sind mit noch an die Gotik erinnernden Passmotiven ver-ziert

Obwohl am Gebäude der Baubeginn inschriftlich vermerkt ist, bleiben hinsichtlich der Bau-zeitfrage erhebliche Unklarheiten. Am Erker, der sich an der Südwestecke des Hauptflügels befindet, heißt es: „ANNO DOM. 1517 AUF MONTAG NACH PALMARVUM IST DIESER BAU VON MIR FRIEDRICH VON WANGENHEIM DEN MITTLEREN IN GOTTES NAMEN ANGEFANGEN“. Der Chronist Friedrich Hermann Albert von Wangenheim hat 1874 in seinem Werk „Beiträge zur Familiengeschichte der Freiherren von Wangenheim“ die Jahreszahl „1517“ in „1547“ umgedeutet, da ihm diese Jahreszahl plausibler erschien. Bei genauer Begutachtung des Schriftfeldes vor Ort scheint eine Deutung als „1547“ jedoch nicht möglich. Die Identität des in der Inschrift vermerkten Friedrich der Mittlere von Wangenheim ist allerdings nicht anzuzweifeln, sofern der Chronist das Wappen der Griessheims, der Familie der Frau Friedrichs, am Erker korrekt identifiziert hat . Tatsächlich war bis 1540 aber der Vater Friedrichs, Apel von Wangenheim, Besitzer Behringens.

Friedrich der Mittlere von Wangenheim, dessen Geburtsdatum unbekannt ist, wurde 1536 als Amtmann und 1541 als „Churfürstlicher Rath“ [F.H.A.v.Wangenheim (1874), S.782] erwähnt, der für das Amt Salzungen verantwortlich war und offenbar dort im Schloss wohnte. Noch 1546 wurde sein Sohn Balthasar in Salzungen geboren. 1546 erhielt Friedrich der Mittlere Großenbehringen in der Folge einer Erbteilung zwischen ihm und seinem Bruder Balthasar. Der Chronist hielt, und das scheint durchaus glaubhaft, einen Schlossbau durch Friedrich den Mittleren erst nach dieser Besitzergreifung für möglich. Die demnach unerklärliche Datierung vom Erker schrieb er einfach um, worin ihm schließlich spätere Schreiber folgten (Lehfeldt [1888], Groth [n. dat.], De-hio [1998]), auch wenn der Befund am Bau selbst diese Umdeutung u.E. nicht zulässt.

Eine weitere in situ erhaltene Jahreszahl vermerkt das Jahr 1548. Sie steht auf einem Schmuckgewände, das sich heute in einem Keller unter dem Südflügel befindet, wohin es zu unbekannter Zeit versetzt worden ist. Auf dem rundbogigen, profilierten Gewände sind darüber hinaus unten offenbar zwei Hunde (ein Windhund ist Wappentier der Wangenheims) und oben die Wappen der Wettiner und des Kurmarschalls, wahrscheinlich Hinweis auf das sächsisch-kurfürstliche Amt von Friedrich dem Mittleren, zu sehen. Das Portal war ursprünglich sicher in einer Fassade verbaut; vielleicht handelt es sich um das frühere Türgewände des Treppenturmes.

1552 überschrieb Friedrich das Schloss seiner Frau Benigna von Griessheim „das Mittel-hausz zu großen Behringen sampt der Küchen, Keller und dazu die Scheunen und Kuhestelle die Helffte“ [Regesten und Urkunden zur Geschichte des Geschlechtes von Wangenheim und seiner Besitzungen [Teil 2 - bis zum Jahre 1871 reichende Sammlung] Nr. 406./ vgl. F.H.A.v.Wangenheim (1874), S.786] zum Witwensitz für den Fall seines Ablebens. Für die Baugeschichte dürfte dies bedeuten, dass das Schloss zu dieser Zeit schon recht fortgeschritten, wenn nicht bereits weitgehend vollendet war. Wenn von einem „Mittelhausz“ geschrieben wird, scheint zu dieser Zeit bereits eine mehrflügelige Anlage bestanden zu haben. Der Westflügel gehört jedenfalls nicht zum ursprünglichen Bestand; so dass sich der schnelle Rückschluss auf den Südflügel als „Mittelhaus“ verbietet. Mit einem Keller sind Süd- und Ostflügel ausgestattet. Eine Zuordnung scheint mit letzter Sicherheit nicht möglich.

Spätestens 1567 wohnte Friedrich der Mittlere im Schloss zu Großenbehringen [F.H.A.v.Wangenheim (1874), S.787], es müsste spätestens jetzt weitgehend fertig gestellt gewesen sein.


Bautätigkeit unter Balthasar von Wangenheim / 1.H.17.Jh. und weitere Bautätigkeit zwischen 1630 und 1750

Inhomogenitäten innerhalb der zur Renaissance gerechneten Substanz sowie augenscheinlich später hinzugefügte Gebäudeteile lassen auf weitere vorbarocke Baumaßnahmen schließen. Demnach sind wahrscheinlich die Westwand des Westflügels (vielleicht zunächst nur als Umgrenzungsmauer) mit dem großen Hoftor-Gewände, der große über massiven Erdgeschoss in Fachwerkbauweise errichtete Baukörper im mittleren Teil des Ostflügels sowie ein kleines Gebäude, von welchem das Erdgeschoss erhalten blieb, Anfügungen, die im 17. Jh. entstanden sein dürften. Bei letzterem scheint es sich zunächst um ein freistehendes, vermutlich nur eingeschossiges kleines Gebäude ge-handelt zu haben. Der Chronist berichtet, dass der Sohn Friedrichs des Mittleren, Balthasar von Wangenheim, „noch ansehnliche Summen in diesen Bau verwendete“ , wobei er davon ausging, dass Friedrich den Bau nicht vollendet hätte. Das Schloss wurde allerdings, wie oben erwähnt, bereits spätestens seit 1567 von Friedrich dem Mittleren und seiner Familie bewohnt und müsste nach mehr als 20 Jahren seit Baubeginn wohl fertiggestellt gewesen sein. Der Baubefund lässt stattdessen umfassende Umbaumaßnahmen zu recht früher Zeit annehmen. Die Bautätigkeit Balthasars steht wahrscheinlich mit einem „...Brande von 1621, welcher auch theilweise die Wohnräume des Schlosses beschädigt hat...“ in Zusammenhang.

In den Erdgeschossbereichen von Südflügel und südlichem Ostflügel sind nach den aktuel-len Sondierungsuntersuchungen neben sicher ableitbaren Veränderungen auch etliche Un-klarheiten hinsichtlich einzelner Bauphasen geblieben. Über die allgemeine Identifizierung der Substanz des 16. und 17. Jahrhunderts hinaus ist eine konkrete Zuordnung nach mo-mentanem Kenntnisstand kaum möglich. Hingewiesen sei hierbei auf die Decke im Korridor des Erdgeschosses im Südflügel. Dessen Deckenbalken sind ohne erkennbares System teils gefast, teils profiliert, teils ohne Verzierung geblieben. Die Erstfassung, soweit befundet, ist aber überall identisch und dürfte mit ihrer Dunkelgrau–Weiß-Farbigkeit durchaus vorbarock sein.

Es scheint sicher, dass das zweite Obergeschoss des Südflügels zunächst nicht ausgebaut wurde, oder aber nach einer massiven Beschädigung nur provisorische Wiederherstellung der Bauaußenhaut erfuhr.

Der große Fachwerkbau auf massivem Erdgeschoss im mittleren Teil des Ostflügels weist hinsichtlich ornamentaler Details und Einzelformen ebenfalls in das 17. Jh.. Unklar ist, in-wieweit hier ältere Teile des Ostflügels integriert worden sind. Dass ein Rückbau älterer Bausubstanz erfolgte, lassen die Anschlussbereiche des Baukörpers nach Süden hin erkennen: So wurden z.B. hier angrenzende, ursprünglich vorhandene Renaissancefenster verkleinert (Ostfassade). Im Erdgeschoss des Baukörpers finden sich außerdem wiederverwendete Sandsteingewände mit Renaissanceprofilierung, die sicherlich vom abgetragenen Teil des Vorgängerbaues her stammen.

Der bereits erwähnte nördliche Erdgeschossbereich des heutigen Ostflügels ist ebenfalls unter Wiederverwendung von älteren Renaissancegewänden erbaut (die Mauer-werksstruktur lässt darauf schließen, dass die Gewände tatsächlich zum ursprünglichen Bestand gehören). Eine Baunaht weist darauf hin, dass es sich hierbei um ein ursprünglich freistehendes kleines Gebäude über quadratischem Grundriss mit nur einem kreuzgewölbten Raum gehandelt haben müsste. Die Eckrustizierungen sind regelmäßig hergestellt und weisen auf eine gegenüber dem Südflügel modernere Bauauffassung. Die vermutlich zum ursprünglichen Bestand dieses früheren Gebäudes zu zählenden Eisenläden und die Eisentür zählen zu den bedeutendsten erhaltenen Teilen des Gesamtdenkmals. In ihrer Ausführung und Dekoration weisen sie durchaus noch in die Re-naissance. Die Eisentür mag weiterer Hinweis darauf sein, dass es sich früher um eine Außentür gehandelt hat. Zeitlich ließe sich die Baumaßnahme in Abwägung aller Befunde und Kenntnisse über die Baugeschichte des Schlosses am ehesten der Zeit nach 1633 zuordnen: – in diesem Jahr erbten Friedrich und Johann von Wangenheim das Schloss, das nach 1628 († Balthasar von Wangenheim) als Witwensitz sicher ohne militärische Bedeutung war und nach einem angeblichen kriegsbedingten (?) Brand 1631 und Plünderung 1632 zwischenzeitlich ganz verlassen war [F.H.A.v.Wangenheim (1874), S.793]. Für eine neuerliche Nutzung bedurfte es sicher einiger Baumaßnahmen. Der wehrhafte Charakter des kleinen Neubaus und die überlieferte Bezeichnung „Waffenkammer“ lassen tatsächlich an ein im Sicherheitsabstand zum Wohnbau errichtetes Depot für Waffen und Munition denken, und weisen außerdem auf die Kriegszeit, die noch 1641 in Behringen zur Wehrhaftmachung der „alten Kemenate“, eines älteren Gebäudes im unteren Dorf, veranlasste.

Bauphase: barocker Aus- und Umbau, vmtl. unter Ernst Wilhelm von Wangenheim / 2.H.18.Jh.

Vor allem im Innenraum sind umfassende Veränderungen einer großen Baumaßnahme im Barock zuzurechnen.

Mit einiger Sicherheit lässt sich hierzu der Einbau eines neuen Treppenhauses im südlichen Ostflügel und eines hierhin führenden neuen Hofportales rechnen, aber auch der Neuausbau des 1.Obergeschosses im Südflügel und vermutlich die Erneuerung zweier Türgewände im Treppenturm. Wahrscheinlich zählen auch weitere umfassende Veränderungen am Ostflügel zur selben Bauphase, hier vor allem die bauliche Integration der „Waffenkammer“. Diese erfolgte durch Einfügen von Verbindungswänden und der Errichtung eines zweigeschossigen Fachwerkbaues darüber. Eventuell war mit dieser Baumaßnahme auch eine Reparatur / Umgestaltung der östlichen Fassade des südlich angrenzenden Fachwerkbaues, der dem 17. Jh. zugeordnet wird, verbunden.

Im Inneren dieses Baukörpers erfolgten weitere Umgestaltungen: So wurde die Raumauftei-lung verändert und die Räume erhielten Voutendecken und einfache Stuckierungen sowie Wandbespannungen. Auch stammen ein Großteil der noch erhaltenen historischen Türblät-ter und Rahmungen aus dieser Zeit.

Im 1.Obergeschoß des Südflügels ist die im Wesentlichen noch heute vorhandene Raum-struktur entstanden. Wenngleich bislang nicht sicher festgestellt werden konnte, welche Innenwände gegebenenfalls bereits vorher bestanden haben, kann doch von der völligen strukturellen Überformung dieses Geschosses ausgegangen werden.

Hierbei sind alle Wandflächen und Decken neu verputzt, am Deckenanschluß dabei Vouten gebildet worden. Die noch heute zum Großteil erhaltenen Zweiflügeltüren verbanden alle auf der Südseite liegenden Räume miteinander und jede mit dem Korridor im Norden. Mindestens vier Räume erhielten Stuckverzierungen in Form schlichter, flachplastischer Profilrahmen. In den meisten Räumen wurden Kamine eingerichtet

Die Wandgestaltung scheint ziemlich einheitlich; über einem niedrigen holzverschalten So-ckel waren offenbar Wandbespannungen angebracht.

Stilistisch, aber auch nach vergleichender Fassungssondierung scheint die Anlage eines neuen Treppenhauses im südlichen Ostflügel mit diesem Umbau im 1. Obergeschoss des Südflügels einhergegangen zu sein. Die dockenverzierten Geländer und die hölzernen Wandverschalungen gehören noch zum ersten Bestand, von einigen Reparaturen abgese-hen. Die Ausführung des Sandsteingewändes (einfaches scharriertes Laibungsgewände) entspricht denen des Treppenturm-Zuganges und des Zuganges vom Treppenturm zum 1. Obergeschoss des Südflügels. Für dieses letztgenannte, noch mit ursprünglichen Türblättern, Beschlägen und Schloss, darf die Zugehörigkeit zur Umbauphase des 18. Jahrhunderts als sicher gelten.

Die beschriebenen Veränderungen charakterisiert einerseits die relative Einheitlichkeit der Gestaltung, stilistisch zwischen barocker Form- und Raummode und klassischer Strenge und dadurch mit einer gewissen Schlichtheit, andererseits fällt der große Umfang der Eingriffe auf, die auf eine langjährige, teure Maßnahme weisen.

Die Archivalien bezeugen für diesen Zeitraum nur einen einzigen Besitzer des Schlosses Behringen. 1735 erbte Ernst Wilhelm von Wangenheim das Anwesen . Nach Großenbehringen zog er nach Beendigung seiner Studien- und Reisezeit, jedenfalls vor 1743 , und lebte bis zu seinem Tode 1792 hier. Innerhalb dieser langen Zeit hat sich Ernst Wilhelm in Großenbehringen intensiv betätigt, vor allem ließ er den noch heute in Teilen erhaltenen Schlosspark anlegen. Durch gezielte Landkäufe vermehrte er den hiesigen Familienbesitz. Es liegt bei all dem nahe, Ernst Wilhelm von Wangenheim auch für jene großen Umbauten am Schloss verantwortlich zu sehen, zumal sie stilistisch in jene Zeit weisen.

Nicht mehr klärbar ist die Frage nach der heute nicht mehr existenten Aufstockung des Treppenturmes, die Lehfeldt (1888) in das „17. bzw. 18. Jahrhundert“ datierte. Sie ist auf historischen Fotografien als sehr hoher, doch recht schlichter oktogonaler Baukörper mit schmal gefassten Stichbogenfenstern und Laterne über konkav geschwungenem Dach zu sehen und tatsächlich stilistisch nicht sicher einzuordnen. Anbetrachts der bisherigen Er-kenntnisse zur Baugeschichte des Schlosses erscheint eine Zugehörigkeit zum Umbau unter Ernst Wilhelm aber wahrscheinlich.

Bautätigkeit im 19. und frühen 20.Jh.

Das frühe 19. Jahrhundert scheint am Schloss ohne größere Bautätigkeit vorübergegangen zu sein. Es erfolgten zumindest keine tiefgreifenden Veränderungen in Raumstruktur und –aufteilung.

1874 wird berichtet , dass der Nordflügel des Schlosses „jetzt abgebrochen“ sei. Er befand sich sicher an Stelle des jetzigen Nordflügels, wahrscheinlich auch durch die Friedhofsmauer mit den daran angebrachten Epitaphen nach Norden hin begrenzt. Über die ostseitige Ausdehnung dieses Gebäudeteiles ist jedoch nichts bekannt. Möglicherweise stammen auch die drei profilierten Fenster, welche nach 1888 in der Südfassade des Südflügels verbaut wurden, von diesem abgerissenen Flügel. So ist zu vermuten, dass zumindest dessen Erdgeschoss massiv ausgebildet war. Die heute erhaltenen, offenbar baueinheitlich errichteten Obergeschosse des Nord- und des Westflügels verraten stilistisch nichts über ihr Alter, doch sind die Fachwerkgeschosse ohne Zweifel kaum später als Anfang des 20. Jh. errichtet.

Nach Erbauseinandersetzungen übernahm Othmar von Wangenheim 1928 das Gut. In die-ser Zeit müssen einige weitere Umbauten / Umgestaltungen, vor allem in den Innenräumen vorgenommen worden sein. So ist zu vermuten, dass der Einbau des jetzigen, vom 1. in das 2. OG führende Treppenhauses im Ostflügel dieser Zeit zuzuordnen ist, ebenso wie die dadurch erforderliche Veränderung der Raumerschließung in diesem Bereich.

Bautätigkeit nach 1945

1946 wurde das Schloss Behringen enteignet und ging danach in Staatseigentum über. 1949 erfolgte die Einrichtung eines Pflegeheimes. Dies wiederum machte umfangreiche Umbauten und Veränderungen in der Raumstruktur erforderlich. So wurden von 1949 bis 1952

  • der ehemalige Getreidespeicher zur Männerstation umgebaut (dabei handelt es sich um das 2. OG im Südflügel, welches bis dahin wahrscheinlich unausgebaut geblieben war ),
  • eine Trockentoliettenanlage gebaut
  • sowie 58 Kachelöfen gesetzt.

Weiterhin ist bis 1951 der einstöckige Zwischenbau an der Nordseite des Südflügels – zwischen Treppenturm und Ostflügel – errichtet worden.

In diese Zeit – oder 1960 mit der Errichtung des umfangreichen Anbaues an der Nordseite des Schlosshofes, welcher das Kesselhaus der Zentralheizungsanlage und sanitäre Einrichtungen aufnahm - fällt auch der Abriss der Turmhaube und des Turmoktogons.

1973 wurde ein Speisenaufzug im westlichen Teil des Südflügels eingebaut. Dieser führt vom EG bis in das 2. OG.

Als letzte größere Baumaßnahme ist die Entkernung und der vollständige Neuausbau des Westflügels, der 1986 erfolgte, anzusehen. In diesem Zusammenhang wurden umfangreiche Fliesenarbeiten in der Wäscherei (Räume EG Ostflügel) sowie in der Küche und im Flur (EG Südflügel) durchgeführt.

1989 erhielt die Küche eine neue Be- und Entlüftungsanlage.

Die bis dahin vorhandene, braunkohlebetriebene Zentralheizungsanlage des Schlosses konnte 1990 durch eine Flüssiggasheizungsanlage ersetzt werden.