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weitere Abbildungen

Kopf südlicher Koloss: millimeterstarke Oberflächenverschmutzung durch Vogelkot



Reinigungsergebnis: Sukzessiver Abtrag der Verschmutzungen
Bild rechts und oben: Ausgangszustand Verschmutzungsgrad
Bildmitte: Abtrag der Verschmutzung bis zum Sichtbarwerden der Fassungsreste



Kartierung der Klebepunkte und der Bereiche mit Fassungsresten


Reparaturstelle aus der Entstehungszeit. Die „Vierung“ wurde an eine kleine Konsole gehängt.


Kopf der südlichen Statue; die hellen Bereiche kennzeichnen die vorerst zum Schutz auf den Fassungsresten verbleibende Schicht


Im befeuchteten Zustand sind die Fassungsreste gut zu erkennen



südlicher Koloss; erster Rekonstruktionsversuch der Polychromie am Kopf der Königin



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Die Sitzstatuen Amenophis´III. (Memnonkolosse) in Theben

Amenophis III. darf wohl als einer der herausragendsten Pharaonen gelten, der seine Repräsentationspolitik mit Monumentalbauten manifestierte. Zahlreiche unter seiner Herrschaft errichtete Bauten sprengen die bis dato existierenden Dimensionen.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass sein Totentempel in gleicher Monumentalität entstand und zu den größten bekannten seiner Art zählt.

Vom gesamten Totentempelbezirk sind nur noch Fragmente erhalten geblieben. Durch archäologische Grabungen ist die Größe der Anlage annähernd bestimmbar geworden. Die exakte Größe ist allerdings bis heute nicht bekannt.

Für den Tourismus wird die bauliche Repräsentanz der Anlage im Wesentlichen durch die Sitzstatuen Amenophis´ III., den so genannten „Memnonkolossen“, vertreten. Die Bezeichnung „Memnonkolosse“ existiert seit der römischen Zeit, da insbesondere die nördliche Skulptur mit Memnon, der griech.-röm. Sage nach König von Äthiopien, identifiziert wurde.

Die Kolosse flankierten ehemals den Durchgang des ersten Pylons im Osten des Totentempelbezirks. Als Baumeister der Anlage gilt Amenophis-Sohn-des-Hapu, der die ca. 800 Tonnen schweren Kolosse auf speziell dafür konstruierten Lastschiffen von den Steinbrüchen des roten Berges, nordöstlich von Kairo, 700 Flusskilometer aufwärts nach Theben transportieren und dort, in den letzten Jahren der Regierung Amenophis´ III, aufstellen ließ (1).

27 vor Christus wurde der nördliche Koloss von oben bis zum Sockel durch ein Erdbeben gespalten. Der morgendliche Wind, welcher sich wohl in diesem Riss fing, erzeugte einen klagenden Ton, was als Anlass für die griechische Memnonsage angesehen wird. Griechische und römische Inschriften auf dem Sockel und den Beinen berichten über den Klang.

Für etwa 200 nach Christus nimmt man einen Teileinsturz an. Auf Anordnung Kaiser Septimius Severus wird daraufhin der Oberkörper mit Blöcken aus Steinbrüchen Oberägyptens, sehr wahrscheinlich aus den Brüchen vom Gebel Gulab bei Aswan, gefertigt. Die Arbeiten sind nach dem Tod des Kaisers nie vollendet worden und man geht davon aus, dass die Statue seit dieser „Restaurierung“ nicht mehr tönte.

Wohl mehr als im alten Reich repräsentieren die in voller Körperlichkeit dargestellten Porträtskulpturen die Regeneration und den Herrschaftsanspruch des Pharaos. Über die Monumentalität wird die Gottgleichheit demonstriert, was zudem die achtunggebietende Wirkung steigert. In aufrecht sitzender Haltung, die Handflächen und Unterarme auf den Oberschenkeln liegend, ergibt sich eine kubische Masse, die durch den quaderförmigen „Thron“ und die etwa formgleichen Sockel unterstrichen wird.

Der Thron wird jeweils –bedeutungsgerecht kleiner wiedergegeben- von weiteren Plastiken flankiert.

Allgemein ist die Darstellung auf eine außergewöhnliche Aura ausgelegt. Erst in zweiter Linie kommen dekorative Mittel zur Geltung, die der Gesamtwirkung nachstehen und überwiegend dokumentarische Inhalte besitzen.

In den letzten Jahrzehnten waren die Kolossalstatuen Gegenstand unterschiedlicher Untersuchungskampagnen, die sich im Wesentlichen auf die Standsicherheit und die Materialherkunft beschränkten.

In Vorbereitung des bestehenden Reinigungsvorhabens (2) wurden die beiden Statuen im Jahre 2001 einer ersten restauratorischen Begutachtung unterzogen.

Wie die Untersuchungen ergaben, bestand die in Jahrtausenden angewachsene Oberflächenverschmutzung aus Vogelkot, Nilschlamm und Luftschadstoffen. Die überwiegend durch Gips und Natriumchlorid verfestigten Schmutzkrusten gefährdeten die gestalteten Gesteinsoberflächen und beeinträchtigten die Lesbarkeit der Inschriften.

Ferner ließ sicht feststellen, dass kleine Bruchstücke herabzustürzen drohten oder im Zusammenhang mit der Reinigung verlustig gehen könnten. Mikrorisse, Materialschäden infolge von Entfestigungen etc. waren aufgrund der Oberflächenverschmutzung nur zu erahnen jedoch qualitativ und quantitativ nicht bestimmbar. Die Größe der Objekte ließ vermuten, dass durch weitere intensive Auseinandersetzung mit den Objekten neue Erkenntnisse gewonnen werden, auf die es zu gegebener Zeit bzw. während der Reinigung zu reagieren gilt.

In enger Zusammenarbeit zwischen Frau Dr. Hourig Sourouzian, Herrn Prof. Dr. Rainer Stadelmann, der Fa. Kärcher, der Fa. Chemicals and Technologies for Polymers GmbH und der pons asini Partnergesellschaft wurde über das Anlegen von Probeflächen und Laborversuchen ein Bearbeitungskonzept entwickelt.

In dieser ersten Forschungsphase verdeutlichte sich, dass die Untersuchungen und die konservatorische Behandlung der Statuen einen Arbeitsumfang ausmachen werden, der sich über einige Jahre erstrecken wird.

Somit wurde die im Februar 2002 beginnende „Reinigung“ Bestandteil der Konzeption. Ziel war es, neben der Entfernung der das Material schädigenden Oberflächenauflagerungen vor allem auch bessere Untersuchungsbedingungen zu schaffen, wie dies zur genaueren Visitation des Objektzu- und bestandes notwendig ist. Insofern wurde die Vertiefung der restauratorischen Untersuchungen an den Statuen mit zum Hauptgegenstand der Kampagne 2001/2002.

Kampagne 2001/2001

Reinigungsarbeiten, Sicherungsarbeiten und restauratorische Untersuchungen parallel durchführen zu können, bedurfte einer perfekt funktionierenden Teamarbeit. Gemeinsam mit der französischen Restauratorin Sophie Duberson übernahm die Fa. Kärcher die Reinigungsarbeiten. Sicherungsmaßnahmen und eine Vertiefung der Untersuchungen führte die pons asini PG durch.

Während der Reinigung war zu gewährleistet, dass der Abtrag der Oberflächenauflagerungen sukzessive geschieht, keine Beanspruchung der Gesteinsoberfläche erfolgt und aufgrund der Mineralbelastung keine feuchten Medien eingesetzt werden.

Anhand der Untersuchungsergebnisse und der im Jahre 2001 angelegten Versuchsflächen konnte durch eine theoretische Vorauswahl ein abrasives Partikelstrahlverfahren favorisiert werden. Mit Calciumcarbonat (0,04-0,14 mm, Härte nach Mohs 2,5) als Strahlmedium waren die besten Reinigungsergebnisse erreicht worden, so dass auch ausnahmslos dieses zur Anwendung kam.

Beginnend an den Köpfen der Statuen wurde von oben nach unten gereinigt. Das durch die Reinigung mit Schadstoffen angereicherte Strahlmedium musste sofort abgesaugt werden. Besondere Aufmerksamkeit war der Entfernung des Strahlmediums insbesondere aus Rissen und Spalten zu widmen, da infolge einer eventuellen Verfestigung des Strahlmediums statische Probleme hätten hervorgerufen werden könnten.

Die Trockenstrahlreinigung mittels Calciumcarbonat (4,5 Härtegrade nach Mohs niedriger als das Gestein) gewährleistete ein kontrolliertes stufenweises Ausdünnen der Verschmutzungen. Somit war es möglich die unterste, als Patina anzusehenden Schichten erhalten zu können. Die ältesten Schmutzschichten sind mit hoher Wahrscheinlichkeit weniger aggressiv als die heute entstehenden. Zum Schutz der Oberflächen wurden demzufolge nur die potenziell schädigenden Schmutzschichten entfernt. Während der Reinigung festzustellende Materialschäden, wie lokal begrenzte Absandungen, wurden vorerst ausgespart, da hier noch Konservierungen vorausgehen müssen.

Die oberflächigen Auflagerungen lassen sich als Krusten und Verschmutzungen klassifizieren, welche kaum in die Zwischenräume der ersten Kornlagen eingelagert sind. Es handelt sich um Stoffabscheidungen in fester Form, die sehr fest auf der Materialoberfläche aufsitzen und hier meist eine regelmäßige matte und stumpfe Oberfläche bilden.

Krusten und Verschmutzungen besitzen etwa die gleiche Materialzusammensetzung und unterscheiden sich nur durch Dichte und Stärke. Neben diesen Auflagerungen waren bis zu zentimeterstarke Schichten aus Vogelkot vorhanden.

Konservatorische Arbeiten beschränkten sich in der Kampagne auf die Sicherung ca. 900 kleinerer loser Bruchstücke. Ziel der Klebung war, eine Fixierung abgelöster Teile herzustellen, ohne eine statische Veränderung zu bewirken. Demzufolge sind kleine Teile punktuell "angeheftet" worden, die herabzufallen drohen, d.h. nur solche, die sich ohne Kraftaufwand von Objekt entnehmen ließen.

Die geforderte Bindekraft war nur durch organische Klebstoffe zu erreichen. Den Klimabedingungen entsprechend war der Einsatz eines duroplastischen Klebemittels notwendig.

Allgemein erfüllen Epoxydharze den entsprechenden Anforderungen. Um zu gewährleisten, dass ein geeignetes Material zur Anwendung kommt, erfolgte die Auswahl mit Unterstützung der CHEMICALS AND TECHNOLOGIES FOR POLYMERS GmbH. Im Labor wurden im Jahre 2001 Harz, Härter und Zuschlagstoffe geprüft und ausgewählt. Zur Anwendung kam ein niedrigviskoses Harz und ein Härter auf Basis aliphatischer Polyamine. Mittels Kaolin wurde angeteigt, was das Auslaufen verhindert und den E-Modul entsprechend beeinflusst.


Stand der Untersuchungen

Im Frühjahr 1989 führte die Abt. Kairo des DAI in Zusammenarbeit mit der ägyptischen Antikenbehörde erste Untersuchungen zur Konsolidierung der Memnonkolosse durch.

Durch Fotogrammetrie (3) wurde die Höhe des nördlichen Kolosses 1998/90 auf 14,68 m bestimmt.

Die ägyptische Antikenbehörde hat in diesem Zusammenhang Gipsmarken anbringen lassen, die allerdings bei einem Erdbeben im Oktober 1992 verloren gingen und nicht mehr ersetzt wurden.

In der Folge hat das DAI Messpunkte an den Statuen gesetzt. Die Auswertung der Messergebnisse ergab, dass sich seitdem keine Senkungen feststellen ließen.

Statuen und Sockel bestehen aus einem rötlichen, hell gebändertem Silifizierten Sandstein (4), und sind aus je einem Block gefertigt. Die Skulpturen sind rund 15,5 Meter und die Sockel ca. 4 Meter hoch.

Die Sockel sind auf Fundamenten aus einer ca. 2 bis 2,5 Meter mächtige Schicht aus Sand, Nilschlamm und Schotter gesetzt worden. Bis in eine Tiefe von 15 Metern befindet sich darunter eine permanent von Grundwasser durchflossene Schicht aus feinem Schwemmsand.

Lepsius hat bei früheren Schürfungen festgestellt, dass sich an die Sockel ehemals ein Hofpflaster anschloss, diese also weiter in den Sandschotter reichen und sich ursprünglich 3,29 Meter bzw., 3,55 Meter (5) über dem Hofpflaster erhoben.

Durch die Schlammablagerungen der permanenten Nilüberschwemmungen ragen die Sockel heute noch etwa ca. 1,70 Meter aus dem Erdreich heraus (6).

Im hinteren Bereich der Sockel fallen eingesetzte Werkstücke auf. Über eine konstruktive Notwendigkeit für die Verwendung solcher eingesetzten Teile kann derzeit nicht schlüssig befunden werden. Vielleicht besteht hier ein Zusammenhang mit der Aufstellung. Alle bisherigen Theorien zu Aufstellung sind mehr oder weniger spekulativ. Wir verfügen momentan noch über zu wenige Kenntnisse, um uns an der Diskussion angemessen beteiligen zu können.

Die auf Anordnung Kaiser Septimius Severus (etwa 200 nach Christus) durchgeführte „Restaurierung“ veränderte die Konstruktion des nördlichen Kolosses wesentlich. Der gesamte Oberkörper wurde aus im Verband befindlichen Quaderlagen und dem Kopf erneuert (7). Auch rückseitig des Sockels fanden solche Reparaturen statt. Ob die Neigung des Kolosses nach Süden zu dieser Zeit bereits bestand, lässt sich anhand der Konstruktion nicht schlüssig nachweisen. Anders jedoch verhält es sich mit der Neigung nach Westen. Betrachtet man die Skulptur seitlich, so fällt die atypische Sitzhaltung auf. Der Oberkörper der nördlichen Skulptur erscheint weiter nach vorn geneigt zu sein und die Fugen der Quaderschichtung verlaufen nicht parallel zur Fuge zwischen Sockel und Skulptur. Dies könnte auf die bereits vorhandene Schiefstellung um 200 nach Christus hindeuten.

Eine weitere interessante Feststellung sind ausgearbeitete Bereiche im Sockel. Diese wären allerdings nur notwendig, wenn der hintere Teil der Statue in irgendeiner Weise bewegt worden ist. Vielleicht war nicht nur der Oberkörper der Statue herabgestürzt, sondern auch das hintere Teil gefallen. Somit hätten die Römer den gesamten hinteren Teil der Statue wieder aufrichten müssen, um den Oberkörper rekonstruieren zu können. Dies sei vorerst eine Hypothese, die beim gegenwärtigen Untersuchungsstand noch nicht zu beweisen ist und weiteren Untersuchungen bedarf. Insbesondere stünden hierzu Grabungen an, an die aus statisch-konstruktiven Gründen jedoch derzeit nicht zu denken ist.

Eine besondere Auffälligkeit sind die zahlreichen Reparaturstellen am nördlichen Koloss, die sich rund um den Riss konzentrieren. Zweifelsfrei stammen dies Reparaturen aus pharaonischer Zeit, was die Interpretation zulässt, dass sich der Block bereits bei der Aufstellung in einem schlechten Zustand befand. Möglicherweise ist der heute vorhandene Riss bereits durch Materialschwächen vorgezeichnet gewesen.

Fehlstellen, Abbrüche, Risse und die Schiefstellung sind die prägnantesten Schäden an den Skulpturen. Die vollständige Spaltung des nördlichen Kolosses -27 vor Christus- ist dokumentiert. Weitere zahlreiche Risse durchziehen heute die Skulpturen und den Sockel. Ab ca. 0,5 mm zeichnen sich die Risse gut sichtbar ab und erreichen Breiten bis zu mehreren Dezimetern. Kleinerer Risse (Mikrorisse) können nur mit optischen Hilfsmittel lokalisiert werden.

Alle Risse durchtrennen das Material und treten überwiegend in vertikaler Richtung auf. Abbrüche sind das Resultat der Rissbildungen. Da der Stein jedoch keine ausgeprägte physikalische Schichtung besitzt, ist der Formverlust nicht die unmittelbare Folge eines Risses. An der Bruch- bzw. Rissstelle existiert eine noch weitgehend gute Verzahnung, erst die Risserweiterung führt zum Abfallen von Teilen.

Neben den Erdbeben dürfte die Gesamtkonstruktion ausschlaggebend für die dramatische Rissbildung an den Kolossen sein. Ob durch ein Beben oder eine nicht ausreichende Gründung verursacht - es ist vermutlich eine „Bewegung“, die zu einer ersten irreversible Deformation führte und welcher eine intensive fortdauernde Rissbildung folgte.

Bereits bei der Betrachtung des Gesamtaufbaus fällt auf, dass die statische Auflast auf Druckbelastung angelegt ist, die Hauptlast jedoch im hinteren Drittel der Sockel liegt und daher keine gleichmäßige Lastableitung erfolgen kann. Die asymmetrische Auflast beanspruchte die Sockel offenbar so sehr, dass diese im hinteren Drittel durchbrachen. Ausschlaggebend hierfür könnte ein Impuls (Beben?) gewesen sein. Aber auch allein die aus der asymmetrischen Belastung resultierende Scherspannung kann aufgrund der unzureichenden Dimensionierung der Sockel zu deren Durchbrechen geführt haben, zumal eine Schwächung im hinteren Teil bereits durch die eingesetzten Werkstücke bestand.

Die Ursachen der Brüche in den Statuen allein bei der Fundamentierung oder Beben zu suchen, würde keine logischen Schlüsse zulassen. Bei einer unzureichenden Fundamentierung würde es zwar zur Senkung aber nicht zu Brüchen kommen. Auch ein Beben würde bei gleichmäßiger Lastverteilung sehr unwahrscheinlich Risse in einem freistehenden Monolithen hervorrufen.

Sofern nicht bereits vorher eingesetzt, müsste es nach dem Bruch der Sockel zur schnellen Absenkung nach Westen gekommen sein. Durch den Bruch des Sockels verschiebt sich die Auflast auf das abgebrochene Drittel und verdoppelt sich hier mindestens. Somit senkt sich das hintere Sockelteil schneller als das vordere und in der Skulptur entsteht eine umgekehrte Scherspannung, bzw. eine Zugspannung im unteren Bereich. Erst solche Spannungen können zu den vertikalen Durchbrüchen wie an der nördlichen Skulptur führen. So gesehen dürfte das Beben im Jahr 27 vor Christus vielleicht nur der Impuls für einen unvermeidbaren Bruch gewesen sein.

Monolithische Monumentalplastiken weisen allgemein statische Probleme auf, die kaum beherrschbar sind. Aufgrund der Inhomogenitäten von Naturstein sind dessen Belastungsgrenzen nie genau bestimmbar, so dass Erfolg und Beständigkeit einer Baumaßnahme nur in beschränktem Maße vorhersehbar sind. Allein der thermische Ausdehnungskoeffizient bei 30 Grad C Temperaturunterschied beträgt bei Silifiziertem Sandstein 0,2 bis 0,3 mm/1m, das heißt bei 15 m sind es bis zu 4,5 mm Ausdehnung. Da sich das Gestein nicht gleichmäßig und durchweg erwärmt, liegen unterschiedliche Spannungen vor, die wiederum zu Rissen in der Oberfläche führen. Durch Einfallen loser Partikel können sich die Risse nicht mehr schließen und vergrößern sich zunehmend. Auch hier ist der Bruch die Folge. Die klimatische Beanspruchung der Kolosse war während der Bearbeitung sehr eindruckvoll nachvollziehbar. So führten die Temperaturschwankung dazu, dass kleine Brocken in den Morgenstunden lose und durch die dynamische thermische Dehnung sich in den Nachmittagsstunden fest verkeilten.

Vorerst bleibt festzustellen, dass die Ursachenfindung zu den zahlreichen Brüchen an den Kolossen hypothetisch bleibt. Es ist wohl die Korrelation zwischen Deformation, Thermodynamik, Größe und Fundamentierung, die zur fortdauernden Dynamik des Lastenausgleiches und damit zur Rissbildung und Schiefstellung führt.

Die Kolosse befinden sich stets in einer lastenausgleichenden Dynamik, die sich in der Rissbildung niederschlägt. Diese sich darstellende „Entlastung“ des Gesteins erbringt zudem unterschiedliche Kantenpressungen, die bei Überbelastungen weitere kleine Absprengungen hervorrufen. Das scheinbar chaotische dynamische Verhalten des Gesteins ist in seiner Entwicklung durch feste Regeln bestimmt. Mittel- bzw. langfristige Vorhersagen des Verhaltens sind wegen der sensitiven Abhängigkeit von äußeren Bedingungen jedoch nicht möglich.

Wie durch die Materialbeschaffenheit zu vermuten war, weist der Silifizierte Sandstein kaum Verwitterungsschäden auf. Der Korngefügezustand kann augenscheinlich als sehr gut eingeschätzt werden. Gefügeschäden beschränken sich weitgehend auf oberflächennahe Bereiche und treten nicht im Tiefenprofil auf. Lokal begrenzte absandende Bereiche waren, da durch die dichten Oberflächenauflagerung verdeckt, erst während der Reinigung auszumachen.

Die Verschmutzung der Gesteinsoberfläche ist das Ergebnis trockener Deposition. Erst im Zusammenhang mit Kondensfeuchte entstehen schadverursachende Reaktionen. Ferner gerät ein Großteil der Schadstoffe der Luft bei hohen Luftfeuchtigkeiten (Nebel) in Lösung. In Tau, Reif, oder Nebelniederschlägen ist eine bis zu 100fache Anreicherung von Luftschadstoffen gegenüber deren Konzentration im Regenwasser festgestellt worden(8).

Die an den Objekten oft vorkommende Kondensfeuchte führt nicht wie Regen zur Spülwirkung, sonder mehr zur wechselnden Befeuchtung und Trocknung der Auflagerungen, welche dadurch eine anhaltende reaktive Dynamik entwickeln. Die überwiegend aus Gips und Natriumchlorid bestehenden Oberflächenverschmutzungen und Krusten auf den Kolossen erhalten hierdurch ihre Festigkeit.

Durch Verschmutzungen und Krusten werden die Poren des Gesteins verstopft, was –wie die Messung nach Dr. Karsten zeigten- für den verwendeten Stein zum größten Teil keine Schadursache darstellt. Anders verhält es sich in Bereichen in denen keine gute Verkittung der primären Quarzkörner stattfand oder die durch verschiedene Einflüsse bereits geschädigt wurden. Die Auflagerungen besitzen infolge einer Verdichtung hier schadauslösenden Charakter, da es zu einer Dampfdiffusionswiderstandserhöhung und somit zu Stauungen von Lösungen unter diesen kommt. Die durch solche bauphysikalische Einflüsse entstehenden Schäden ziehen eine Sprengung und Lockerung des Materialgefüges nach sich und werden hauptsächlich durch das Schadbild Absandungen gekennzeichnet. Die wichtigsten Vorgänge dürften hier Salzsprengungen sein und sind auf Volumenvergrößerung durch Hydration und Dehydration zurückzuführen. Der Vogelkot auf den Oberflächen bewirkte eine enorme Nitratbelastung.

Wie die Bereiche, in denen unter der Verschmutzung Gefügeschäden lokalisierbar waren, wurden auch die Sockel vorerst nicht gereinigt. Die hier zu findenden Verschmutzungen zeugen als letzte Reste von den Nilüberschwemmungen aus der Zeit vor dem Bau des Assuan-Staudamm. Die durch den Wasserspiegel gezeichneten Linien können Anhaltspunkte für zukünftige Messungen sein. Andererseits müssen diese Befunde noch in geeigneter Weise dokumentiert werden.

Nicht gänzlich unerwartet, jedoch im Umfang und Erhaltungszustand von allen Beteiligten mit großer Faszination aufgenommen, konnten durch die Reinigung Farbreste der ursprünglichen Polychromie der Kolosse langsam freigelegt werden. Es handelt sich um Reste einer polychromen Fassung ohne Grundierung. Diese außerordentlichen, sehr wichtigen Befunde sind einer ersten Sondierung unterzogen und die Befundstellen katalogisiert worden. Wir haben es in der Kampagne nicht vermocht, den gesamten Be- und Zustand der Fassungsreste allumfassend zu untersuchen. Die Fassung bildet nunmehr eine gesonderte eigenständige Thematik. Sie muss hinsichtlich ihrer Bedeutung des Erhaltungszustandes und eventueller Konservierungstechniken noch bewertet werden.
Festzustellen waren rote, ockerfarbene und blaue Farbreste. So die Farben als Schichten erhalten sind, fällt das Lokalisieren relativ leicht. Ausgesprochen schwierig wir das Feststellen jedoch, wenn nur noch Spuren vorhanden sind. Die Ocker- und Rotpigmente haben die gleiche Erscheinung (und vermutlich auch gleiche chemische Zusammensetzung) wie die im Stein vorhandenen Eisenoxide.

Um die aufgedeckten Reste nicht zu beschädigen sind betreffende Bereiche nur leicht gereinigt worden. Eine leichte Patinaschicht über den Farben blieb erhalten.
Am nördlichen Koloss haben sich lediglich kleinste Reste in den Poren des Gesteins erhalten. Hingegen sind die Farbbefunde am südlichen Koloss sehr umfangreich, so dass wir der Versuchung erlagen einen ersten grafischen Rekonstruktionsversuch zu wagen .


Perspektiven / Ausblicke

Die Arbeiten an den Memnonkolossen in der Kampagne 2001/2002 haben bestätigt, wie komplex die Konservierung der Objekte zu betrachten ist.
Mit der Reinigung und den damit im Zusammenhang stehenden Untersuchungen sind Vorraussetzungen geschaffen worden, die das Aufstellen eines Rahmenkonzeptes erlauben. Hauptgegenstand dieses Konzeptes ist die Fortführung der Untersuchungen, da erst deren Abschluss weitere Maßnahmen oder Eingriffe zulassen.

Einer sehr differenzierteren Betrachtungsweise bedarf es zu Maßnahmen, die Einfluss auf die Statik besitzen. Die Kompliziertheit der ablaufenden Prozesse, der Stand der Untersuchungen und das zu prognostizierende Ergebnis sprechen gegen Maßnahmen, die eine „Ertüchtigung der Monolithen als Ziel verfolgen.

Geht man davon aus, dass sich die Kolosse in einer stetigen lastenausgleichenden Dynamik befinden, so könnten prophylaktische und auf weitestgehend hypothetischer Ursachenanalyse basierende „Sanierungen “, wie Rissverpressungen, Verdübelungen etc. das nur scheinbar chaotische dynamische Verhalten des Gesteins absolut negativ beeinflussen und katastrophale Folgen haben. Vor solchen Maßnahmen muss beim derzeitigen Wissensstand ausdrücklich gewarnt werden.
An den Skulpturen hat sich ein Ausgleich eingestellt, der bei gleichbleibenden Umgebungsbedingungen nur ein sehr langsames (unaufhaltsames) weiteres Reißen erbringen wird. In partiell begrenzten Bereichen hat sich eine Entlastung der Gesteinsstruktur ergeben, die einer erneuten Belastung nicht mehr standhalten kann.
Trotz der Risse weist das Material überwiegend eine gute innere Festigkeit auf. Scharfkantige Bruchflächen bewirken überwiegend ein Verkeilen der abgebrochenen Teile, so dass diese nicht herabstürzen.

Wollte man die gesamte Statik im Sinne der ursprünglichen Konstruktion instandsetzen, müssten auf der Grundlage von weiteren Untersuchungen zur Materialfestigkeit Berechnungen angestellt werden, deren Ziel eine Homogenisierung der Monolithen ist. Ein solches Vorhaben scheitert bereits an den Forderungen die für ein Gelingen notwendig wären.

Von außerordentlicher Bedeutung sind vielmehr weitere anzustellende Messung, aus denen hervorgeht, ob sich die Kolosse weiterhin senken. Zudem muss ergründet werden, welchen Einfluss das angewachsene Bodeniveau auf die Standsicherheit ausübt.

Die archäologischen Grabungen stehen im unmittelbaren Zusammenhang mit den Untersuchungen zu Statik. Einerseits können diese nur durchgeführt werden, wenn sichergestellt ist, dass die Standsicherheit hierdurch nicht gefährdet wird, andererseits bedingen die Untersuchungen zur Statik den Ergebnissen der Grabungen.
Ferner ist zu vermuten, dass in dem angeschwemmten Boden noch Bruchstücke der Stauen verborgen sind.

Zweifelsfrei ist der Grundwasserspiegel am Kom el-Hettân angestiegen. Inwieweit dieser weiter steigt, zurückgeht oder gleich bleibt und worin die Ursachen liegen, ist noch nicht hinreichend bekannt. Für die zukünftige Exposition der gesamten Tempelanlage müssen hierzu Überlegungen angestellt werden. Die damit im Zusammenhang stehenden Veränderungen sind auch für die Kolosse zu berücksichtigen.

Die Reinigung der Oberflächen muss partiell fortgeführt werden. Die bislang bei der Reinigung ausgesparten Bereiche bedingen im Vorfeld der Festigung. Bisherige Musterreinigungen zeigten die Eignung des Mikrostrahlverfahrens. Inwieweit eine Laserreinigung in Erwägung gezogen werden kann, wird von den weiteren Untersuchungen abhängig sein aber vor allem auf die Durchführbarkeit unter den gegebenen Bedingungen geprüft werden müssen.

Einige Bruchstücke, die am südlichen Koloss gefunden wurden, lassen sich zuordnen. Da zu vermuten ist, weitere Stücke zu finden, können die bislang katalogisierten nicht ansetzen werden. Möglicherweise würde dies verhindern, dass zukünftig gefundene Teile montiert werden können.

Konservatorische Arbeiten und Untersuchungen an den Fassungsresten bedürfen einer gesonderten fachrestauratorischen Untersuchung, um den Be- u. Zustand sowie Konservierungsmethoden zu ermitteln. Eine thematische Auseinandersetzung mit den Befunden und deren Konservierung wird sicherlich weitere wissenschaftliche Erkenntnisse erbringen und wir hoffen, bald über die Ergebnisse berichten zu dürfen.

(1) Über die Herkunft des Steine wurde in der Vergangenheit intensiv diskutiert. Nach R. Stadelmann kommen die Kolosse aus den Steinbrüchen des Gebel el-Ahmar bei Heliopolis, wie inschriftliche Zeugnisse auf den beiden Kolossen und den Statuen des Leiters aller Bauten Amenophis-Sohn-des-Hapu beweisen. Zudem wurde die Herkunft durch petrologische Untersuchungen (H. Browman u.a., in Archaeometry 26, 2,1984, 218-299) bestätigt.
Andere Geologen, so z.B. D.D. Klemm u.a. in : Die pharaonischen Steinbrüche des Silifizierten Sandsteins in Ägypten und die Herkunft der Memnonkolosse , MDAIK 40, 1984 S.207-220, schreiben das Material dem Gebel Tingar bei Aswan zu.

(2) Die Firma Kärcher reinigte die Kolosse

(3) Landesamt für Denkmalpflege München und DAI Kairo

(4) eine genaue Beschreibung bei: D.D. Klemm, R. Klemm und L. Steclaci: Die pharaonischen Steinbrüche des Silifizierten Sandsteins in Ägypten und die Herkunft der Memnon-Kolosse: MDAIK 40 (1984)

(5) Messungen Lepsius zitiert in Stadelmann, Rainer und Sourouzian, Hourig. (Manuskript) Der Totentempel Amenophis´III. in Theben, Grabungen und Restaurierung am Kom el-Hettân.

(6) Stadelmann, Rainer und Sourouzian, Hourig geben eine ausführliche Beschreibung zum Baugrund (vergl. Auch Anmerkung (5)

(7) Zwischen den Quadern befindet sich ein Mörtel. Der Mörtel besitzt eine weiße, kompakte Matrix mit wenigen Zuschlagstoffen. Vergleichsweise viele splittrige, scharfkörnige, dunkelrote Bestandteile (1-2mm) lassen auf Ziegelsplitt als hydraulischen Zusatz schließen. Die Erscheinung des Mörtels erinnert sehr an bekannte römische Mörtel, so dass dessen Analyse empfehlenswert, da von hohem wissenschaftlichen Wert, erscheint.

(8) J. Weber, B. Pichler, A. Vendl, H. Puxbaum, J. Rendl. Eine Apparatur zur dynamischen Simulation des Einflusses von Luftschadstoffen auf Materialien; Wr. Ber. Naturwiss. Kunst 1 (1984): 12-23